Eines der gefährlichsten Viren der Welt: Was ist über das Nipah-Virus bekannt und warum fürchten es Ärzte?

Indien hat neue Fälle von Nipah-Virus-Infektionen gemeldet, einem der gefährlichsten Erreger von Infektionskrankheiten weltweit. Aufgrund der hohen Sterblichkeitsrate und des Fehlens eines Impfstoffs ergreifen die Behörden bereits Quarantänemaßnahmen, und die Nachbarländer verstärken die Hygienekontrollen an Flughäfen.

Laut dem örtlichen Gesundheitsministerium wurden im Bundesstaat Westbengalen zwei Infektionsfälle bestätigt. Knapp 200 Kontaktpersonen wurden isoliert und unter Quarantäne gestellt. Bislang zeigen sie keine Symptome, und ihre Tests fielen negativ aus. Die neuen Fälle geben jedoch Anlass zur Sorge unter Ärzten, da die Weltgesundheitsorganisation das Nipah-Virus als einen der gefährlichsten Krankheitserreger einstuft.

Was ist das Nipah-Virus?

Das Nipah-Virus (NiV) ist eine Zoonose, die von Tieren auf Menschen übertragen wird. Die natürlichen Überträger sind Flughunde der Gattung Pteropus. Eine Infektion kann durch Kontakt mit infizierten Tieren oder durch mit deren Speichel oder Sekreten verunreinigte Lebensmittel erfolgen. Die häufigste Infektionsquelle sind Früchte oder roher Dattelpalmensaft.

Fälle einer Infektion beim Menschen sind selten, der Krankheitsverlauf ist jedoch in der Regel schwerwiegend und geht mit ernsthaften Komplikationen einher.

Symptome und Verlauf der Erkrankung

Die Inkubationszeit beträgt 4 bis 21 Tage, manchmal auch länger. Die ersten Symptome können leicht mit einer gewöhnlichen Virusinfektion verwechselt werden.

Zu den ersten Symptomen gehören:
Fieber,
Kopfschmerzen,
Muskelschmerzen,
starke Schwäche.

Bei einigen Patienten treten Atemwegsprobleme auf – Husten, Kurzatmigkeit, Lungenentzündung.

Die größte Gefahr besteht in einer Schädigung des Nervensystems. Nach einigen Tagen oder Wochen kann sich eine Enzephalitis – eine Entzündung des Gehirns – entwickeln. In solchen Fällen treten Verwirrtheit, Krampfanfälle, plötzliche Verhaltensänderungen und Koma auf. Gelegentlich wird auch eine Meningitis beobachtet.

Wie gefährlich ist das Virus?

Die Sterblichkeitsrate ist extrem hoch und liegt je nach Virusstamm und Ausbruchsbedingungen zwischen 40 % und 75 %. Selbst nach der Genesung können schwerwiegende Folgen zurückbleiben: chronische neurologische Störungen, Krampfanfälle, Gedächtnisprobleme oder Persönlichkeitsveränderungen.

Es wurden auch Fälle von erneutem Auftreten einer Enzephalitis Monate oder Jahre nach der Infektion beschrieben.

Wie wird die Infektion übertragen?

Das Virus verbreitet sich auf verschiedene Weise:
von Tieren auf Menschen (über Fledermäuse oder Schweine),
durch kontaminierte Lebensmittel
und von Mensch zu Mensch durch engen Kontakt mit Körperflüssigkeiten eines Patienten.

Am häufigsten erfolgt die Ansteckung zwischen Menschen innerhalb von Familien oder unter medizinischem Personal, das Patienten betreut.

Geschichte der Ausbrüche

Das Virus wurde erstmals 1999 im Zuge eines Enzephalitis-Ausbruchs unter Landwirten in Malaysia und Singapur identifiziert. Anschließend wurden regelmäßig Fälle in Bangladesch und Indien registriert. 2018 kam es im Bundesstaat Kerala zu einem bedeutenden Ausbruch.

Obwohl in Fledermäusen in anderen Regionen der Welt Antikörper gegen das Virus gefunden wurden, beschränkten sich bestätigte Ausbrüche beim Menschen bisher auf Süd- und Südostasien.

Gibt es eine Behandlungsmöglichkeit?

Es gibt derzeit weder eine spezifische Behandlung noch einen Impfstoff gegen das Nipah-Virus. Ärzte beschränken sich auf unterstützende Maßnahmen zur Linderung der Symptome und zur Behandlung von Komplikationen. Aus diesem Grund hat die WHO das Nipah-Virus in ihre Liste der prioritären Krankheitserreger aufgenommen, die dringend erforscht werden müssen.

Wie man das Infektionsrisiko verringern kann

Experten raten zu folgenden einfachen Vorsichtsmaßnahmen:
Rohen Dattelpalmensaft nicht konsumieren,
Früchte gründlich waschen und schälen,
keine Früchte mit Spuren von Tierbissen essen,
beim Kontakt mit kranken Tieren Handschuhe tragen,
engen Kontakt mit infizierten Personen vermeiden und häufig die Hände waschen.

Ärzte betonen: Früherkennung und Isolation von Patienten bleiben die wichtigsten Instrumente zur Eindämmung der Ausbreitung der Infektion.

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