Gewichtsverlustmedikamente, die das Hormon GLP-1 nachahmen, waren wirksamer als eine bariatrische Operation bei der Reduzierung des Risikos von durch Fettleibigkeit bedingten Krebserkrankungen, so das Ergebnis einer neuen Studie, die in der Fachzeitschrift Eclinicalmedicine .
GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) ist ein Hormon, das Appetit und Blutzuckerspiegel reguliert. Gängige Medikamente zur Gewichtsreduktion, wie Liraglutid (Saxenda), Exenatid (Byetta) und Dulaglutid (Trulicity), wirken, indem sie die Wirkung dieses Hormons nachahmen. Studien haben jedoch gezeigt, dass ihre Vorteile weit über die reine Gewichtsabnahme hinausgehen.
Laut Studienmitautorin Yael Wolf Sagi von Clalit Health Services in Israel hat GLP-1 eine direkte krebshemmende Wirkung, die nicht allein auf Gewichtsverlust zurückzuführen ist. Die Medikamente reduzierten das Risiko für Adipositas-bedingten Krebs um 41 % – mehr als eine bariatrische Operation, die das Risiko um 30–42 % senkt.
Zu diesen Krebsarten zählen Brustkrebs bei Frauen nach den Wechseljahren, Leberkrebs, Nierenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Schilddrüsenkrebs, Magenkrebs sowie Darmkrebs, Gebärmutterkrebs, Meningeom und multiples Myelom.
Die Forscher analysierten Daten von 6.356 Patienten mit Typ-2-Diabetes und einem Body-Mass-Index über 35, die entweder mindestens ein Jahr lang mit GLP-1-Medikamenten behandelt wurden oder sich zwischen 2010 und 2018 einer bariatrischen Operation unterzogen hatten. Während einer Nachbeobachtungszeit von 7,5 Jahren wurden in beiden Gruppen 148–150 Krebsfälle registriert.
Am häufigsten war Brustkrebs, gefolgt von Darmkrebs und Gebärmutterkrebs.
„Wir verstehen den Wirkmechanismus von GLP-1 noch nicht vollständig, aber er beschränkt sich sicherlich nicht auf die Gewichtsabnahme“, sagte Professor Dror Dicker vom Hasharon-Krankenhaus in Petah Tikva. Er vermutet, dass die entzündungshemmenden Eigenschaften des Medikaments eine Schlüsselrolle spielen könnten.
Der Wissenschaftler betont außerdem, dass die neue Generation von GLP-1-Medikamenten möglicherweise noch wirksamer bei der Reduzierung des Krebsrisikos ist, es seien jedoch weitere Studien erforderlich, um sicherzustellen, dass dadurch nicht das Risiko für die Entwicklung anderer Krebsarten erhöht wird.
Angesichts der Tatsache, dass Adipositas und Diabetes zu globalen Gesundheitsherausforderungen geworden sind, könnten die Ergebnisse dieser Studie den Ansatz zur Krebsprävention verändern. Gewichtsverlust selbst bleibt ein wichtiger Faktor, aber eine GLP-1-basierte medikamentöse Therapie kann nicht nur das Gewicht kontrollieren, sondern auch das Risiko lebensbedrohlicher Erkrankungen reduzieren.

