Die Frage einer möglichen Erhöhung der Stromtarife bleibt für die Ukrainer ab 2026 relevant. Oleh Popenko, Vorsitzender des Verbandes der Stromkunden, erläuterte, unter welchen Bedingungen die Zahlungen im Laufe des Jahres steigen könnten und welche Dienstleistungen gefährdet sind.
In der Ukraine gilt seit 2022 bis zum Ende des Kriegsrechts ein Moratorium für die Erhöhung der Gas- und Wärmetarife für die Bevölkerung. Laut Basisszenario bleiben die Gaspreise für private Haushalte im gesamten Jahr 2026 unverändert. Sollten die Kampfhandlungen jedoch enden und das Kriegsrecht in der ersten Jahreshälfte aufgehoben werden, könnten die Tarife laut Experten bereits Ende 2026 angepasst werden.
Laut Popenko wird die grundsätzliche Entscheidung über eine mögliche Tariferhöhung bereits in Regierungsdokumenten diskutiert. Umgesetzt werden kann sie jedoch erst nach Abschluss der Parlaments- und Kommunalwahlen, also voraussichtlich im November/Dezember 2026. Bis dahin, so der Experte, werde keine Regierung es wagen, die Gebühren für Versorgungsleistungen zu erhöhen.
Derzeit zahlt der Großteil der Bevölkerung einen festen Gastarif von 7,96 Hrywnja pro Kubikmeter. Gleichzeitig wird die Möglichkeit einer Preiserhöhung diskutiert, um die Produktionskosten zu decken. Die endgültige Höhe steht noch nicht fest, Experten schätzen jedoch, dass sie im Durchschnitt bei etwa 12 Hrywnja pro Kubikmeter liegen könnte.
Die Heizkosten hängen direkt vom Gaspreis ab. Laut Popenko machen die Gaskosten etwa 95 % der Heiz- und Nebenkosten aus. Daher führt jede Erhöhung des Gaspreises fast automatisch zu einer Anhebung der Tarife für Heizung und Warmwasser. Liegen die Heizkosten derzeit bei durchschnittlich 40–50 Hrywnja pro Quadratmeter, könnten sie im Falle einer Tarifanpassung auf 70–80 Hrywnja steigen. Eine endgültige Entscheidung hierzu steht jedoch noch aus, und eine Erhöhung ist erst nach Aufhebung des Kriegsrechts möglich.
Der Strompreis ist vom Moratorium nicht betroffen. Aktuell liegt er bei 4,32 Hrywnja pro Kilowattstunde und ist seit Juni 2024 unverändert. Laut Popenko ist eine Überprüfung des Strompreises im Jahr 2026 möglich, da hierfür ein gesonderter Regierungsbeschluss ausreicht. Gleichzeitig merkt der Experte an, dass ein Szenario mit einer jährlichen Tariferhöhung von etwa 20 % über mehrere Jahre diskutiert wird, es sich dabei aber bisher nur um Berechnungen und nicht um beschlossene Maßnahmen handelt.
Unabhängig davon bleibt die Frage der Wassertarife weiterhin ungeklärt. Ende 2025 forderte die Regierung die Regulierungsbehörde auf, die Kosten der Wasserversorgung für die Bevölkerung nicht zu erhöhen. Obwohl die Kommission zuvor versucht hatte, die Tarife anzupassen, wurden diese Beschlüsse wieder aufgehoben. Kürzlich wurde der Wasserpreis für Unternehmen erhöht, woraufhin erneut Versuche unternommen wurden, die Tarife für die Bevölkerung anzupassen, die jedoch wiederum nicht umgesetzt wurden.
Laut Popenko drängen die Wasserversorger auf eine Erhöhung der Wassertarife, die Regierung hält sich jedoch weiterhin zurück. Der Experte prognostiziert, dass die Wassertarife bis Ende 2026 steigen könnten, allerdings erst nach dem Ende des Ausnahmezustands und den Parlamentswahlen. Konkrete Berechnungen zur möglichen Höhe der Erhöhung liegen derzeit nicht vor.
Das Basisszenario für die Ukrainer im Jahr 2026 sieht daher die Beibehaltung der aktuellen Tarife vor. Eine tatsächliche Erhöhung der Energiekosten ist erst nach Kriegsende, Aufhebung des Kriegsrechts und nach den Wahlen zum Jahresende möglich.

