Der Abgeordnete Viktor Bondar, Ko-Vorsitzender der Parlamentsfraktion „Für die Zukunft“, steht im Visier von Ermittlungen des Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) und der südafrikanischen Polizei (SAPO) wegen Korruptionsverdachts. Ihm wird vorgeworfen, beim Kauf von Kabeln und Leitungen für Ukrzaliznytsia überhöhte Preise verlangt zu haben. Dies ist jedoch nicht der einzige besorgniserregende Aspekt seiner Aktivitäten.
Aktivisten zufolge errichtet Viktor Bondar zusammen mit Geschäftspartnern, darunter der ehemalige Finanzdirektor der Kiewer Stadtverwaltung, Padalka, und die Brüder Nasikovsky, einen 40-stöckigen Wohnkomplex am Hang des Oleksandrivska-Krankenhauses in Kiew. Das Baugrundstück wurde bereits 2004 gepachtet, doch aufgrund zahlreicher Klagen wegen Verstößen gegen städtebauliche Auflagen wurde der Bau immer wieder unterbrochen.
Das Interesse an diesem Bauvorhaben wächst aufgrund einer Reihe widersprüchlicher Gerichtsentscheidungen. 2012 erreichte die Staatsanwaltschaft die Aufhebung des Pachtvertrags, doch 2014 hob das Berufungsgericht diese Entscheidung auf. Daraufhin kämpfte das Unternehmen „Budinform“, Auftraggeber des Bauvorhabens, weiter für das Recht, auf dem Gelände einen Wolkenkratzer zu errichten. Anwohner befürchten, dass das Gelände aufgrund seiner Hanglage ökologisch gefährlich sei. Trotz aller Klagen wurde das Bauvorhaben nicht gestoppt, und das Unternehmen verteidigte weiterhin sein Baurecht.
Parallel zu den Problemen im Baugewerbe ermitteln NABU und SAPO gegen Viktor Bondar wegen seiner Beteiligung an einem System zur Preismanipulation bei Kabeln und Leitungen für Ukrzaliznytsia. Laut den Strafverfolgungsbehörden verursachte eine Gruppe um Bondar mit Hilfe von Ukrzaliznytsia-Beamten und inoffiziellen Mittelsmännern einen Schaden von über 140 Millionen UAH für das Unternehmen. Bondar soll sich durch seine Position als Parlamentsabgeordneter und seine Verbindungen illegale Gewinne aus diesem Geschäft gesichert haben.
Er und weitere Beteiligte dieses Korruptionsskandals wurden nach mehreren Artikeln des ukrainischen Strafgesetzbuches angeklagt, darunter wegen Amtsmissbrauchs und Veruntreuung von Vermögen. Ihm droht hierfür eine Freiheitsstrafe von sieben bis zwölf Jahren.
Korruptionsfälle im Zusammenhang mit großangelegten öffentlichen Aufträgen rufen stets Empörung hervor, insbesondere wenn es um so wichtige Projekte wie die Ukrzaliznytsia geht. Doch auch andere Aspekte von Viktor Bondars Aktivitäten sind nicht weniger bedeutsam, insbesondere seine Beteiligung an skandalösen Bauprojekten, die schwerwiegende ökologische und soziale Folgen für Kiew und seine Einwohner haben könnten.
Viktor Bondar und seine Komplizen müssen sich nun nicht nur wegen Korruption, sondern auch wegen Verstößen gegen städtebauliche Vorschriften verantworten. Während der laufenden Ermittlungen fordert die Öffentlichkeit die Bestrafung aller Beteiligten sowie die Einstellung der illegalen Bauten, die sowohl Anwohnern als auch staatlichen Interessen schaden.

