Der Name des Flusses Dnepr hat tiefe historische Wurzeln, die bis in die Zeit der Skythen zurückreichen. Der ukrainische Historiker Oleksandr Alferov spricht darüber in seinem YouTube-Video. Ihm zufolge entstand der Ortsname vor über zweitausend Jahren und hat sich bis heute nahezu unverändert erhalten; er zeugt von alten Kulturschichten auf dem Gebiet der heutigen Ukraine.
Die Skythen, ein Nomadenvolk, das im 1. Jahrtausend v. Chr. die Südukraine bewohnte, sprachen eine Sprache der ostiranischen Sprachfamilie. Aus dieser Gruppe stammt auch der Name „Dnjepr“. Wie Alferov erklärt, bedeutet „dn“ oder „dan“ Wasser und „apr“ tief. „Dnjepr“ lässt sich also als „großes tiefes Wasser“ interpretieren – eine äußerst treffende Beschreibung eines der tiefsten Flüsse Europas.
Dieselbe sprachliche Konstruktion findet sich auch in anderen Ortsnamen der Ukraine. So bedeutet beispielsweise „Dnister“ aus derselben iranischen Sprachgruppe „südliches Wasser“. Und der Name des Flusses „Don“ bedeutet „großes Wasser“. Dies verdeutlicht die weite Verbreitung und den Einfluss altiranischsprachiger Kulturen auf geografische Namen in Osteuropa.
Über die Jahrtausende trug der Dnepr viele verschiedene Namen. Zur Zeit der Kiewer Rus hieß er „Slavutich“ – Fluss des slawischen Ruhms. Die alten Griechen, die Kolonien an der Schwarzmeerküste gründeten, nannten ihn „Borysphen“ – „Fluss aus dem Norden“. Diese Namen spiegelten nicht nur geografische Merkmale wider, sondern auch den kulturellen Kontext der jeweiligen Epoche.
Die Kenntnis des wahren Ursprungs des Namens Dnepr ist nicht nur für Fachleute, sondern auch für die breite Öffentlichkeit von Bedeutung. Sie verweist auf die tiefen ethnokulturellen Verbindungen des ukrainischen Bodens zu seinen ältesten Bewohnern. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Ukraine nicht nur eine reiche Geschichte, sondern auch tiefe Wurzeln in der europäischen Zivilisation besitzt.

