Während einer Aufführung von „Gefährliche Liebschaften“ im Kiewer „Jungen Theater“ unterbrachen die Schauspieler unerwartet die Vorstellung und wandten sich mit einer skandalösen Erklärung an das Publikum. Sie beschuldigten den künstlerischen Leiter des Theaters und den Regisseur des Stücks, Andrij Bilous, öffentlich der sexuellen Gewalt und systematischen Belästigung.
Wie Glavkom berichtet, gaben die Schauspieler an, dass bereits vier Anzeigen wegen sexueller Gewalt durch Bilous bei der Polizei erstattet wurden, wobei zwei der Opfer zum Zeitpunkt der Vorfälle minderjährig waren.
„Wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass dem künstlerischen Leiter dieses Theaters vorgeworfen wird, seine Studentinnen, Schauspielerinnen und Angestellten seit über zehn Jahren sexuell belästigt zu haben. Trotz des laufenden Strafverfahrens bekleidet er weiterhin seine Position“, hieß es in der von der Bühne verlesenen Erklärung der Schauspielerin.
Den Schauspielern zufolge wurden alle Polizeiberichte nur über das Gericht aufgenommen, da die Polizeibehörde von Schewtschenko sie zunächst nicht entgegennehmen wollte. Ihrer Ansicht nach kommt die Ermittlung dadurch nicht voran.
Schauspieler berichteten außerdem, dass mindestens 80 % der Frauen unter 40 Jahren, die im Theater arbeiten, irgendeine Form von sexueller Belästigung durch einen Vorgesetzten erlebt haben.
Nach der Künstlererklärung wurden Flugblätter mit einer Beschreibung der Situation an das Publikum verteilt. Darin riefen die Künstler die Öffentlichkeit zur Unterstützung auf, baten darum, die Informationen weiterzuverbreiten und zu verhindern, dass der Fall verschwiegen wird.
Zur Erinnerung: Bilous ist nicht nur Theaterdirektor, sondern auch Dozent an der Nationalen Universität für Theater, Film und Fernsehen „Iwan Karpenko-Kary“ in Kiew. Zuvor hatte die Schauspielerin Viktoria Romashko Korrespondenz und Zeugenaussagen veröffentlicht, die auf Belästigung hindeuten könnten. Derzeit laufen strafrechtliche Ermittlungen gemäß Artikel 153 des ukrainischen Strafgesetzbuches (sexuelle Gewalt).
Die Kiewer Stadtverwaltung erklärte, sie unterstütze den Einsatz von Lügendetektortests für alle Konfliktparteien und betonte die Nulltoleranz gegenüber Belästigungen in Kultureinrichtungen. Trotzdem verlieh das Bildungsministerium Andriy Bilous am 24. April 2025 den akademischen Titel eines außerordentlichen Professors.

