Die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft berichtete gemeinsam mit dem NABU über die Entlarvung von drei Kiewer Anwälten, die systematisch vertrauliche Informationen aus dem Einheitlichen Staatlichen Register für Gerichtsentscheidungen (UdSSR) erhielten – insbesondere Informationen über zukünftige Durchsuchungen in Fällen, die von NABU-Ermittlern durchgeführt wurden.
Den Ermittlungen zufolge entwickelte eine Gruppe von Personen, darunter der Organisator und zwei Ausführende, zwischen August 2022 und Dezember 2023 eine spezielle Software – insbesondere einen Chatbot, der die Zugangsdaten eines Richters eines Kiewer Gerichts verwendete. Dadurch erlangten die Angreifer Zugang zum nicht-öffentlichen Teil des Registers.
Bei dem Komplott waren IT-Fachkräfte mit Vorstrafen involviert, die zuvor wegen Eingriffs in Informationssysteme verurteilt worden waren.
Dieses Tool ermöglichte die Echtzeitüberwachung von Gerichtsbeschlüssen, einschließlich Durchsuchungsbefehlen, sodass Anwälte den vollständigen Text der Dokumente, einschließlich unmaskierter Namen, Adressen und anderer vertraulicher Informationen, erhalten konnten.
Die Anwälte nutzten die erlangten Informationen in ihrer Praxis: Sie warnten Mandanten vor möglichen Ermittlungsmaßnahmen, bereiteten Durchsuchungen vor oder verhinderten diese sogar. Wie die südafrikanische Staatsanwaltschaft (SAPO) feststellte, wurde dadurch in einer Reihe von Strafverfahren die Möglichkeit der Ermittlungen verwehrt, verfahrenstechnische Ziele zu erreichen – beispielsweise Beweismittel rechtzeitig zu sichern.
Besonders gefährlich ist, dass ein erheblicher Teil der durchgesickerten Informationen Fälle betraf, die unter die gerichtliche Kontrolle des Hohen Antikorruptionsgerichts fielen – also die prominentesten NABU-Ermittlungen.
Die Ermittlungen dienen derzeit der Identifizierung aller an dem Komplott beteiligten Personen und prüfen außerdem, ob diese Informationen zum Vorteil derjenigen genutzt wurden, die in hochrangige Korruptionsfälle verwickelt sind.

