Bei Ausschreibungen von Kyivpastrans kann man nicht nur bei Reifen, sondern auch bei der Ausschreibungsplanung betrügen. So soll es im Jahr 2022 vorgekommen sein, dass der Chef eines Privatunternehmens zusammen mit Beamten eines städtischen Betriebs die Ausschreibungsplanung um fast 5 Millionen Hrywnja – auf Kosten des Stadthaushalts – manipulierte.
Das Szenario ist einfach: Die Ausschreibungsbedingungen werden für einen „eigenen“ Teilnehmer festgelegt, die anderen scheiden automatisch aus, der Vertrag wird unterzeichnet, die Reifen werden importiert – allerdings zu Preisen, die weit von den Marktpreisen entfernt sind.
Die Kiewer Staatsanwaltschaft hat Anzeige gegen den Geschäftsführer eines Privatunternehmens erstattet, das den Zuschlag für die Lieferung von Reifen für den städtischen Nahverkehr erhalten hat. Offiziell geht es um die Vergabe des Auftrags, in Wirklichkeit jedoch um mutmaßliche Manipulationen gemeinsam mit Beamten von Kyivpastrans.
Laut den Ermittlungen schufen die Verantwortlichen des Unternehmens diskriminierende Bedingungen – konkret eine technische Aufgabe, die nur ein bestimmtes Unternehmen erfüllen konnte. Zufall? Wohl kaum. Anschließend schlossen sie einen Vertrag mit diesem Unternehmen ab. Und dann lief alles nach Plan: Die Preise schossen in die Höhe, und Qualität und Transparenz blieben auf der Strecke.
Die Prüfung ergab: Budgetverluste – 4,9 Millionen Hrywnja. Das entspricht übrigens in etwa dem Preis von fünf neuen Oberleitungsbussen für Kiew (oder 15 Jahren kostenloser Fahrten für einen Rentner im öffentlichen Nahverkehr der Hauptstadt). Oder – ein netter Gewinn für jemanden, der weiß, wie man Ausschreibungen „vorbereitet“.
Zuvor waren zwei Beamte von Kyivpastrans – der ehemalige stellvertretende Produktionsdirektor und der Leiter einer Abteilung – verdächtigt worden. Nun konzentrieren sich die Ermittler auf den direkten Täter – den Unternehmer, der die Reifen geliefert hat.
Dies ist nicht die erste Reifenausschreibung, die zu strafrechtlichen Konsequenzen geführt hat. In den vergangenen Jahren gab es in Kiew Fälle, in denen Gummi sich als wertvoller als Gold erwies und Konformitätsbescheinigungen gefälscht waren. Doch diesmal war der Betrug klassisch: eine manipulierte Ausschreibung, ein Gewinner, ein überhöhter Preis, und die Hälfte des Budgets floss in die Taschen der Geschäftswelt.
Kyivpastrans befördert jährlich Millionen von Fahrgästen. Offenbar bedient das Unternehmen aber nicht die Einwohner Kiews, sondern ausgewählte Lieferanten, die sich bestens mit Ausschreibungen auskennen. Und noch besser: Sie wissen genau, wie man diese umgeht.

