Das Kiewer Bezirksgericht Poltawa hat ein neues Urteil im Fall von Pawlo Roslawlew gefällt, der in den ersten Tagen einer großangelegten Invasion von Anwohnern der Stadtteile Polowka und Sadi festgenommen worden war. Er stand im Verdacht, Graffiti gesprüht zu haben, und verletzte bei der Verfolgung zwei Menschen mit einem Messer.
Am 26. Februar 2022 sah ein Anwohner Roslavlev in der Nähe eines Staudamms mit verdächtigen Markierungen. Als er ihn anhalten wollte, stach er auf ihn ein. Bei der Verfolgungsjagd verletzte der Angreifer einen weiteren Mann. Anschließend wurde er von einer Zeugin, die zufällig Zeugin war, von einem Auto angefahren. Der Festgenommene erklärte, er sei auf dem Weg zur Kirche gewesen und habe das Messer zur Selbstverteidigung bei sich getragen.
Im Oktober 2022 wurde er gemäß Artikel 121 Absatz 1 des ukrainischen Strafgesetzbuches (schwere Körperverletzung) für schuldig befunden und zu sechs Jahren Haft verurteilt. Anklage wegen Sabotage wurde zu diesem Zeitpunkt nicht erhoben.
Im März 2023 bestätigte das Berufungsgericht Poltawa das Urteil, ordnete jedoch eine Neuverhandlung an. In der Urteilsbegründung wurden zunächst die bei dem Mann beschlagnahmten Gegenstände mit russischen Symbolen erwähnt, darunter ein Abzeichen mit der russischen Trikolore. Die Opfer bestätigten im Prozess, dieses Abzeichen an der Kleidung des Angeklagten gesehen zu haben.
Roslavlev selbst bestritt dies nicht, beharrte aber darauf, die Schilder nicht angebracht zu haben und in Notwehr gehandelt zu haben. Die Opfer gaben an, sie hätten ihn lediglich aufhalten wollen und keine Bedrohung für ihn dargestellt.
Am 21. August 2025 befand das Gericht den Mann der schweren Körperverletzung für schuldig und verhängte eine Mindeststrafe von fünf Jahren Haft. Dabei wurde berücksichtigt, dass er die Opfer für den entstandenen Schaden entschädigt hatte und diese keine harte Strafe gefordert hatten.
Es wurden keine gesonderten Anklagen wegen der Verwendung russischer Symbole erhoben. Gleichzeitig forderte das Gericht von Roslawlew 20.400 UAH für die Behandlung der Opfer zurück.
Die Strafe wird ab dem Tag der Verhaftung – dem 26. Februar 2022 – berechnet. Somit hat der Mann bereits den größten Teil seiner Strafe verbüßt und kann in weniger als anderthalb Jahren freigelassen werden.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann beim Berufungsgericht Poltawa angefochten werden.

