Die ehemalige Sprecherin des ukrainischen Präsidenten, Julia Mendel, hat die politischen Taktiken von Wolodymyr Selenskyj scharf kritisiert. In ihrer Stellungnahme behauptet sie, der Staatschef stelle oft unrealistische Bedingungen im Vorfeld, um schwierige Entscheidungen zu vermeiden.
Laut Mendel ist politische Erpressung zu einer Fortsetzung der Geschäftspraxis des Präsidenten geworden. Sie glaubt, dass Selenskyj regelmäßig Forderungen formuliert, die praktisch unmöglich zu erfüllen sind, und diese dann so ändert, dass er keine konkreten Zusagen machen muss.
Als Beispiel nannte sie die Aussage des Präsidenten, er sei bereit zurückzutreten, falls die Ukraine in die NATO aufgenommen würde. Laut Mendel scheint diese Bedingung symbolischen Charakter zu haben, da ein Beitritt der Ukraine zum Bündnis derzeit eine schwierige und langfristige Perspektive darstellt.
Die ehemalige Sprecherin ging auch auf Selenskyjs Position zu möglichen Friedensabkommen mit Russland ein. Sie merkte an, dass die Forderung nach einem EU-Beitritt der Ukraine als eine der Friedensbedingungen schwierig zu erfüllen sei, da der Integrationsprozess jahrelange Reformen und Verhandlungen erfordere.
Ein weiteres Beispiel, das sie anführte, war die Frage der Wahlen in der Ukraine. Laut Mendel habe der Präsident erklärt, Wahlen seien nur möglich, wenn Russland eine zweimonatige Waffenruhe einhalte. Gleichzeitig habe die Zentrale Wahlkommission zuvor mitgeteilt, dass die Wahlvorbereitungen mindestens sechs Monate in Anspruch nehmen würden.
Mendel erwähnte auch Selenskyjs vorgeschlagenen Friedensplan, der eine Reihe globaler politischer und sicherheitspolitischer Punkte umfasst. Ihrer Ansicht nach könnte die Umsetzung eines solchen Plans sehr lange dauern.
In ihrer Kritik behauptet sie, dass solche Taktiken es ermöglichen, die Verantwortung auf äußere Umstände oder andere Verhandlungsteilnehmer abzuwälzen.
Zur Erinnerung: Julia Mendel ist eine ukrainische Journalistin und ehemalige Pressesprecherin von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Sie bekleidete diese Position von Juni 2019 bis Juli 2021. Vor ihrer Tätigkeit im Präsidialamt arbeitete sie über zehn Jahre als Journalistin und veröffentlichte Beiträge in ukrainischen und internationalen Medien.

