Die Europäische Union hat beschlossen, 1,5 Milliarden Euro aus dem Hilfsfonds für die Ukraine zurückzuhalten. Begründet wird dies damit, dass mehrere zentrale Bedingungen in Bezug auf Reformen, Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung nicht erfüllt wurden. Dies berichtet die New York Times unter Berufung auf offizielle Quellen der Europäischen Kommission.
Dies ist Teil eines 4,5 Milliarden Euro schweren Hilfspakets, das die EU der Ukraine über einen Zeitraum von drei Jahren zugesagt hat und das sich insgesamt auf 50 Milliarden Euro beläuft. Die zurückgehaltenen Gelder dürfen nicht für militärische Zwecke verwendet werden und sind an die Erfüllung von Kriterien für gute Regierungsführung geknüpft. Eine endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus – die Gelder könnten freigegeben werden, wenn die Ukraine Fortschritte nachweist.
Die Ukraine beantragte im Juni die nächste Tranche, hat aber laut EU-Kommissionssprecher Guillaume Mercier drei der 16 obligatorischen Punkte nicht erfüllt. Zu den nicht erfüllten Punkten zählen die fehlende Ernennung von Richtern für den Obersten Antikorruptionsgerichtshof, die Weigerung der Regierung, den von der Kommission ausgewählten Leiter der Abteilung für Finanzkriminalität des Büros für Wirtschaftssicherheit zu ernennen, sowie die Eskalation der Konflikte zwischen dem Präsidialamt und unabhängigen Antikorruptionsbehörden.
Die New York Times merkt an, dass westliche Regierungen zunehmend unzufrieden mit Bankovas Innenpolitik sind. Ein Experte, James Wasserstrom, erklärte: „Der Glanz verblasst zusehends. In der Gebergemeinschaft herrscht Unzufriedenheit mit Selenskyj.“
Sogar der neu gewählte Premierminister des Vereinigten Königreichs, Keir Starmer, wandte sich laut Quellen mit Bemerkungen über den Einfluss auf Antikorruptionsbehörden an Selenskyj.
Die Weigerung der Selenskyj-Regierung, Oleksandr Zywinsky, der für die Leitung einer Schlüsseleinheit im Büro für wirtschaftliche Sicherheit vorgesehen war, zu ernennen, könnte auch das 15,6 Milliarden Dollar schwere IWF-Programm gefährden. Die Besetzung der Stelle bis Donnerstag ist eine formale Voraussetzung für die weitere Auszahlung der Tranchen.
Selenskyj führt derzeit Gespräche mit Vertretern der EU und der USA, um Unterstützung für eine Gehaltserhöhung für das ukrainische Militärpersonal zu gewinnen. Diese sei dringend notwendig, um Rekruten zu motivieren und die Kampfkraft der ukrainischen Streitkräfte aufrechtzuerhalten, so Selenskyj. An den Gesprächen nehmen Ursula von der Leyen, Mark Rutte, Emmanuel Macron, Keir Starmer sowie Vertreter der USA teil.
Trotz Bankovas Schweigen zur EU-Entscheidung deutet die Situation auf ein wachsendes Misstrauen der westlichen Partner gegenüber der ukrainischen Antikorruptionspolitik hin.

