Laut dem Analysebericht „Korruption in der Ukraine 2024“, veröffentlicht vom Nationalen Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU), zählt Korruption weiterhin zu den drängendsten Problemen des Landes. Der Bericht stellt fest, dass 91,4 % der Bürger Korruption als sehr oder einigermaßen weit verbreitet einschätzen. Dieser Wert ist im Vergleich zu 2023 um 3,5 % gestiegen, was auf eine Verschärfung des Problems in der öffentlichen Wahrnehmung hindeutet.
Infografiken des Nationalen Antikorruptionsbüros der Ukraine
Gebiete mit der höchsten Korruptionsrate
Wie schon in den Vorjahren verweisen die Bürger auf die Unveränderlichkeit der korruptesten Gebiete:
- Justizsystem (4,49 auf einer 5-Punkte-Skala).
- Zoll (4.4).
- Grenzkontrolle (4.26).
Als die korruptesten Unternehmen gelten folgende:
- Zoll (4.47).
- Genehmigungen und Bergbau (4.45).
- Öffentliche Beschaffung von Bauleistungen und Dienstleistungen für den Bau, die Reparatur und die Instandhaltung von Straßen (4.42).
Infografiken des Nationalen Antikorruptionsbüros der Ukraine
Analysten betonen, dass die Unveränderlichkeit der Liste der korrupten Sektoren über vier aufeinanderfolgende Jahre hinweg den Wunsch der Öffentlichkeit nach aktiven Antikorruptionsmaßnahmen in diesen Sektoren beweist.
18,3 % der Bürger hatten im Jahr 2024 Erfahrungen mit Korruption gemacht, etwas weniger als im Jahr 2023 (20,8 %). Der Anteil der Unternehmer, die auf Bestellung in korrupte Beziehungen verwickelt waren, blieb mit 11,6 % nahezu unverändert.
Auch die Korruption durch Eigeninitiative in der Bevölkerung nimmt ab: Im Jahr 2024 initiierten 9,2 % der Bürger (im Jahr 2023: 12,1 %) und 4 % der Unternehmensvertreter (im Jahr 2023: 3,9 %) solche Beziehungen.
Korruption im Bildungswesen bekämpfen und andere Sektoren stabilisieren
Korruption im Bildungssektor zeigt positive Trends:
- In den städtischen Kindergärten sank das Korruptionsniveau um 11,9 % und liegt nun bei 15,1 %.
- Im Primar- und Sekundarbereich sank die Quote um 9,6 % und beträgt nun 12 %.
Das geringste Korruptionsniveau wurde im Zentralen Verwaltungsdienst festgestellt, wo lediglich 3,8 % der Befragten angaben, Korruption erlebt zu haben. Die meisten Korruptionserfahrungen machten hingegen medizinische Einrichtungen mit 51,5 %.
Der Anteil der Bürger, die von sich aus Korruptionserfahrungen angaben, stabilisierte sich bei 18,7 %. Im Geschäftsumfeld blieb dieser Indikator im Vergleich zu 2023 unverändert und liegt bei 23,2 %.
Die Bereitschaft der Bürger, Korruptionsfälle zu melden, stieg auf 12,3 %, was einem Anstieg von 2,1 % gegenüber 2023 entspricht. Im Geschäftsumfeld ist jedoch der gegenteilige Trend zu beobachten: Die Meldebereitschaft sank auf 21,3 % und fiel damit auf das Niveau von 2021 zurück.

