In der Region Mykolajiw entfaltet sich ein weiterer hochkarätiger Korruptionsskandal, diesmal im Zusammenhang mit der Organisation der Schulmahlzeiten. Unter dem Deckmantel formal legaler Vergabeverfahren wurden Budgetmittel faktisch zwischen miteinander verbundenen Organisationen verteilt. Die Folge dieses Komplotts waren nicht nur finanzielle Verluste, sondern auch eine ernsthafte Gefährdung der Gesundheit von Kindern.
Im Dezember 2025 wählte das städtische Produktionsunternehmen des Stadtrats von Mykolajiw die Firma „Proseko 8“ als Lieferanten für Catering-Dienstleistungen an Bildungseinrichtungen aus. Das Unternehmen war der einzige Bieter und erhielt einen Auftrag im Wert von rund 14 Millionen Hrywnja. Die formalen „Einsparungen“ für den Haushalt beliefen sich auf lediglich 0,05 Prozent, was faktisch auf das Fehlen eines echten Wettbewerbs hindeutet.
Wie sich jedoch herausstellte, war die Ausschreibung selbst lediglich der letzte Schritt eines zuvor ausgearbeiteten Plans. Bei der Ermittlung der voraussichtlichen Kosten berücksichtigte der Auftraggeber die Angebote dreier Unternehmen, die den Anschein einer Marktanalyse erwecken sollten. Laut Registern und internen Dokumenten stehen jedoch alle diese Unternehmen in Verbindung mit einer einzigen Person – der Leiterin der Bezirksverwaltung Ingul und Stadträtin Anna Remennikowa.
Offizielle Inhaberin der Proseko 8 LLC ist Iryna Stoyeva, die zuvor in Gastronomiebetrieben der Familie Remennikov tätig war. Laut vorliegenden Informationen wurde die Firma rechtlich vom Leiter der Rechtsabteilung der Bezirksverwaltung unterstützt, der wiederum von demselben Abgeordneten kontrolliert wird.
Auch andere „Konkurrenten“, deren Preisangebote zur Berechnung der erwarteten Kosten herangezogen wurden, erwiesen sich nicht als Zufall. Die Einzelunternehmerin Tetyana Kamasheva und die Firma „Nasoloda RK“ unterhalten gemeinsame Kontakte zu Unternehmen der Familie Remennikova. Dazu gehören insbesondere das Restaurant „Daily Sport“ und Firmen ihres Sohnes Boris Berestnev. Somit schuf der Auftraggeber ideale Bedingungen für den Erfolg eines zuvor festgelegten Lieferanten.
Die Ereignisse spitzten sich besonders zu, als das System über rein finanzielle Missstände hinausging. Während der staatliche Rechnungshof erst kürzlich mit der Überwachung der Beschaffung begonnen hatte, hatten die Strafverfolgungsbehörden bereits Durchsuchungen durchgeführt und Verstöße dokumentiert. In den beschlagnahmten Proben von Schulspeisen fanden Experten E. coli-Bakterien, die eine unmittelbare Gesundheitsgefahr für Kinder darstellen.
Im Zuge der Ermittlungen richtete sich der Verdacht gegen die Geschäftsführerin der GmbH „Proseko 8“, Iryna Stoyeva, sowie gegen den kommissarischen Leiter des städtischen Unternehmens, Petr Vashenyak. Die Ermittlungen prüfen den Verdacht der Verschwörung, des Amtsmissbrauchs und der Lieferung minderwertiger Produkte an Bildungseinrichtungen.
Der Skandal um die Schulspeisung in der Region Mykolajiw hat einmal mehr gezeigt, dass Korruption bei der Beschaffung sozial sensibler Güter nicht nur Staatsgelder verschwendet, sondern auch Leben und Gesundheit von Kindern unmittelbar gefährdet. Der weitere Verlauf des Verfahrens wird zeigen, ob alle Beteiligten, einschließlich der Drahtzieher, zur Rechenschaft gezogen werden.

