Während Kiew um die Opfer des Raketenangriffs trauerte, fand im strategisch wichtigen Kyivvodokanal eine Feier mit Alkohol und der gehobenen Bürokratie statt. Am 25. April, als in der Hauptstadt offizielle Trauer herrschte und die Flaggen an den Verwaltungsgebäuden auf Halbmast gesetzt wurden, wurde in Wyschgorod der Geburtstag des ersten stellvertretenden Leiters der Kiewer Stadtverwaltung, Mykola Poworosnyk, gefeiert.
Laut Journalisten der Zeitung „Informer“ fand die Feier in einer regulierten Anlage statt, in der das Trinkwasser für Kiew desinfiziert wird. Die Räumlichkeiten, die laut Gesetz als kritische Infrastruktur gelten müssen, wurden als Veranstaltungsort für ein informelles Treffen mit teuren alkoholischen Getränken und Gästen in der Position stellvertretender Leiter der Kiewer Stadtverwaltung genutzt.

Die Videoaufnahmen der Journalisten zeigten Dmytro Zagumenny, Vyacheslav Nepop, Dmytro Naumenko, Volodymyr Repik, Hanna Starostenko, Maryna Honda, Valentyn Mondrievsky und weitere Vertreter der Hauptstadtführung. Trotz Povoroznyks Aussage, dass „nichts gefeiert wurde“, deutete die von den Kameras eingefangene Atmosphäre auf das Gegenteil hin.
Der Generaldirektor der PJSC „AK „Kyivvodokanal“, Oleg Lysyuk, hat sich zwei Wochen lang nicht geäußert. Es ist nicht das erste Mal, dass er gesperrte Räumlichkeiten für private Veranstaltungen genutzt hat, aber es ist das erste Mal, dass dies von Journalisten dokumentiert wurde.
Lysyuk tritt sein Amt am 26. Juli 2023 an. Zuvor war er von 2014 bis 2021 für den Wiederaufbau des Belüftungskraftwerks Bortnyzja verantwortlich, ein Projekt, das trotz einer Förderung in Höhe von 970 Millionen US-Dollar durch die japanische Entwicklungsagentur JICA nicht vorangekommen ist. Das Kraftwerk befindet sich weiterhin im Ausnahmezustand und droht Kiew mit einer Umweltkatastrophe zu gefährden.
Lysyuk war in der Vergangenheit auch mit der Firma Amadeus Co. verbunden, die an der Parkova Road einen Hubschrauberlandeplatz baute, eine Einrichtung, die mit dem flüchtigen Präsidenten Viktor Janukowitsch in Verbindung stand.
Die Frage bleibt offen: Wer hat die Nutzung einer strategischen Einrichtung unter Kriegsrecht für Feierlichkeiten mit Alkohol genehmigt? Warum befanden sich Beamte nicht während der Arbeitszeit an ihren Arbeitsplätzen, sondern am „Festtisch“? Und warum gab es bisher keine offizielle Stellungnahme von Lysyuk selbst?

