Am 3. Juli gedenken Gläubige des heiligen Anatolius, Patriarch von Konstantinopel, einem der meistverehrten orthodoxen Hierarchen des 4. Jahrhunderts. Im Volkskalender ist dieser Tag auch als Mohnblumentag bekannt, und viele Bräuche und Glaubensvorstellungen sind mit ihm verbunden.
Der heilige Anatolius erlangte Berühmtheit als Kämpfer für die Reinheit des Glaubens. In einer Zeit, als der Kaiser und Teile des Klerus der Ketzerei verfielen, verteidigte er die wahre Lehre von den zwei Naturen Christi – der menschlichen und der göttlichen. Auf seine Initiative hin wurde das Konzil von Chalcedon einberufen, auf dem die Kirche die Unveränderlichkeit dieses Dogmas bezeugte.
In der kirchlichen Tradition ist dieser Tag dem Gebet um Heilung von Leib und Seele gewidmet. Die Menschen wenden sich an den heiligen Anatolius mit der Bitte um Stärkung des Glaubens, Gesundheit und spirituelles Gleichgewicht. Besonders geehrt werden an diesem Tag jene, die den Namen Anatolius tragen – der Heilige gilt als ihr himmlischer Schutzpatron.
Der 3. Juli wird mit der Mohnblume in Verbindung gebracht – daher der Name „Mohntag“. Einer alten Tradition zufolge wurden Mohnsamen geweiht, um das Haus vor bösen Geistern zu schützen. Man glaubte, dass eine solche Mohnblume Frieden in die Familie bringt, vor dem Bösen schützt und Wohlstand schenkt. Sie wurde im Haus aufbewahrt, auf die Türschwellen gestreut und auch in die Nähe der Wiege eines Kindes gelegt.
Trotz des Rituals galt der Tag als ungünstig für wichtige Angelegenheiten. Alte Überlieferungen warnten: Man solle nichts pflanzen, keine Zukunftspläne schmieden und keine ernsthaften Arbeiten annehmen – es werde nichts Gutes dabei herauskommen. Auch vom Leihen von Geld wurde abgeraten – man könne mehr verlieren, als man gebe. Es sei zudem verboten zu streiten, Nachbarn zu beleidigen und Bedürftigen Hilfe zu verweigern.
Die Beschaffenheit dieses Tages, so glaubten unsere Vorfahren, verrät Ihnen, wie die Woche verlaufen wird. Wenn morgens viele Mücken und Gnitzen unterwegs sind, sollten Sie sich auf die Hitze einstellen. Sind die Spinnen eifrig beim Netzbau, ist das ein gutes Zeichen: Es steht sonniges Wetter bevor. Und wenn der Wasserstand im Brunnen sinkt, ist mit einer anhaltenden Hitzewelle zu rechnen.
So verbindet der 3. Juli die kirchliche Verehrung des Heiligen Anatoli mit einer tief verwurzelten Volkstradition, die in den Bräuchen der Ukrainer bis heute lebendig ist.

