Die Impfraten bei Kindern sinken weltweit rapide und gefährden damit das Leben von Millionen Kindern. Dies betrifft nicht nur arme Länder, sondern auch Industrieländer wie die USA, Großbritannien, Frankreich und Japan. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie von Wissenschaftlern der Universität Washington, deren Ergebnisse im Guardian veröffentlicht wurden.
Die Analyse umfasste Daten zur Routineimpfung in 204 Ländern zwischen 1980 und 2023. Während 1980 fast 59 Millionen Kinder keine Impfungen erhielten, sank diese Zahl bis 2019 auf 14,7 Millionen. Laut Wissenschaftlern haben Impfungen in diesem Zeitraum mindestens 154 Millionen Kinderleben gerettet.
Doch nach 2010 verschlechterte sich die Lage. Forscher verzeichneten in 100 Ländern einen Rückgang der Masernimpfraten. Und in 21 von 36 Ländern mit hohem Einkommen – darunter Frankreich, Italien, Japan, Großbritannien und die USA – sank der Anteil der Kinder, die mindestens eine Dosis des Basisimpfstoffs gegen gefährliche Krankheiten wie Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Tuberkulose und Masern erhalten hatten.
Angesichts sinkender Impfraten werden neue Infektionsausbrüche verzeichnet. Insbesondere Polio bedroht erneut Afghanistan, Pakistan und Papua-Neuguinea. In Europa hat sich die Zahl der Masernfälle im Jahr 2024 fast verzehnfacht. Allein in den USA wurden im Mai 2025 in 30 Bundesstaaten über 1.000 Masernfälle registriert – die höchste Zahl der letzten Jahre.
Als Hauptgründe für den Rückgang der Impfungen nennen Experten die Folgen der Covid-19-Pandemie, die ungleiche Verteilung des Zugangs zur medizinischen Versorgung, eine Vertrauenskrise in die Gesundheitssysteme und die rasante Verbreitung von Fehlinformationen über Impfstoffe, insbesondere in den sozialen Medien.
Forscher betonen, dass die globalen Impfziele bis 2030 ohne dringendes Handeln nicht erreicht werden können. Regierungen, Gesundheitssysteme und internationale Organisationen sollten Impfprogramme so schnell wie möglich wieder aufnehmen und der Verbreitung von Falschmeldungen entgegenwirken.
Zur Erinnerung: In der Ukraine wurden in den ersten vier Monaten des Jahres 2025 bereits 684 Masernfälle registriert, und Experten prognostizieren einen weiteren Anstieg.

