Der Mindestlohn in der Ukraine beträgt derzeit etwa 7.000 Hrywnja, was nach dem Wechselkurs vom September 2024 ungefähr 180 Euro entspricht. Dies ist deutlich weniger als in vielen europäischen Ländern, wo die Mindestlöhne Dutzende oder sogar Hunderte von Euro erreichen.
Die Publikation Korotko Pro analysierte die Höhe der Mindestlöhne in verschiedenen Ländern. Warum? Weil ukrainische Flüchtlinge in Europa meist zum Mindestlohn arbeiten.
„Durchschnittstemperatur im Krankenhaus“
Seit einem Jahr sprechen Arbeitsmarktexperten über das Wachstum der ukrainischen Gehälter. Doch die Verdienste lassen noch immer zu wünschen übrig.
Das Durchschnittsgehalt in der Ukraine lag im zweiten Quartal 2024 bei 20.964 UAH, umgerechnet etwa 455 Euro. Zum Vergleich: In Polen betrug das durchschnittliche Bruttogehalt im August 8.190 PLN (1.916 Euro) und in der Schweiz beispielsweise 8.012 Schweizer Franken (8.493 Euro).
Experten betonen seit Jahren, dass das Durchschnittsgehalt wenig aussagekräftig ist, wie unser Beispiel zeigt. Nicht umsonst spricht man oft von der „Durchschnittstemperatur im Krankenhaus“ und führt das Beispiel der Kohlrouladen an (manche essen Kohl, andere Fleisch, und im Durchschnitt essen alle Kohlrouladen).
Aussagekräftiger ist das Mediangehalt – der Wert, der die statistische Gehaltsreihe in zwei gleich große Hälften teilt. Ordnen wir die Gehälter der Angestellten unseres hypothetischen Unternehmens aufsteigend, erhalten wir die Reihe 20.000, 20.000, 20.000, 20.000, 100.000. In der Mitte dieser Reihe liegt das Mediangehalt – 20.000 UAH.
Ökonomen sind sich einig, dass das Mediangehalt die Realität bei erheblichen Einkommensunterschieden wesentlich besser widerspiegelt. Deshalb berechnet man in Europa schon lange das Mediangehalt. Der ukrainische Statistikdienst hingegen verwendet weiterhin den Durchschnitt.
Daher ist es ratsam, die Mindestlöhne miteinander zu vergleichen.
Mindestlohn in der Ukraine
Ab dem 1. April 2024 stieg der Mindestlohn in der Ukraine laut Haushaltsplan 2024 auf 8.000 UAH. Ökonomen reagierten verhalten auf diese Nachricht und erklärten, dass den Ukrainern dadurch nicht mehr Geld in den Taschen bleibe. Der Grund ist einfach: Da die Hälfte der Gehälter in der Schattenwirtschaft erwirtschaftet wird, führt eine Mindestlohnerhöhung lediglich zu einer Erhöhung des offiziellen Anteils und damit zu einer höheren Steuerbelastung, während der tatsächliche Nettolohn sinkt.
Gleich vorweg sei angemerkt, dass nicht alle europäischen Länder Mindestlöhne haben. Beispielsweise wurde die Initiative zur Einführung eines Mindestlohns in der Schweiz vor zehn Jahren von der Bevölkerung kategorisch abgelehnt, doch das Durchschnittsgehalt in der Schweiz zählt, wie bereits erwähnt, zu den höchsten in Europa.
Auch in Norwegen gibt es keinen Mindestlohn, aber die Arbeitgeber vor Ort bemühen sich um einvernehmliche Lösungen mit den Gewerkschaften, um Konflikte zu vermeiden. Im Jahr 2024 lag der Mindeststundenlohn für ungelernte Arbeit in Norwegen bei 18 Euro. Bei einer 40-Stunden-Woche verdiente eine Person in einem solchen Job demnach 720 Euro, was, basierend auf 176 Arbeitsstunden, einem Monatsgehalt von 3.168 Euro entspricht.
Laut Eurostat liegt der höchste Mindestlohn in Europa in Luxemburg bei 2.571 €. Auf Platz zwei und drei folgen Irland und die Niederlande mit 2.146 € bzw. 2.070 €.
Spricht man über europäische Länder mit der größten Anzahl ukrainischer Flüchtlinge, so beträgt der Mindestlohn in Polen 978 Euro, in Deutschland 2.054 Euro und in Tschechien 764 Euro.
Wie wir sehen, ist der niedrigste europäische Mindestlohn doppelt so hoch wie der ukrainische. Und da wir von diesem Gehalt mehr als ein Jahr leben müssen, ist es unwahrscheinlich, dass wir in naher Zukunft auch nur annähernd europäische Einkommen erzielen werden.
Der Haushaltsentwurf für 2025 sieht bekanntlich einen Stopp der Sozialstandards vor. Der Mindestlohn bleibt bei 8.000 Hrywnja, und das Existenzminimum beträgt weiterhin 2.920 Hrywnja, was im Vergleich zu 2024 ebenfalls unverändert bleibt. Für Beamte beträgt dieser Betrag 2.102 Hrywnja. Die Sozialleistungen bleiben somit auf dem aktuellen Niveau, was in der Bevölkerung Unzufriedenheit hervorrufen könnte.

