Im Zuge der angekündigten Personalveränderungen in der ukrainischen Regierung könnte der Posten des Bildungsministers gefährdet sein. Laut ZN.UA plant der Leiter des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft, Oksen Lisovy, angeblich, durch seinen derzeitigen Stellvertreter Andriy Vitrenko ersetzt zu werden. Dessen Ernennung könnte nicht nur politische, sondern auch skandalöse Gründe haben.
Andrij Witrenko führt die Fraktion „Diener des Volkes“ im Kiewer Stadtrat an. Sein Wahlkampf 2020 wurde von Denys Komarnyzkyj, einem Geschäftsmann und einflussreichen Strippenzieher in der Kiewer Politik, unterstützt, gegen den derzeit vom Nationalen Antikorruptionsbüro des Ukraine-Archipels (NABU) ermittelt wird. Journalisten zufolge wurde Witrenkos Lobbyarbeit durch eine direkte Anfrage von Mykola Tyschtschenko an den Leiter des Präsidialamtes, Andrij Jermak, ermöglicht.
Medienberichten zufolge bewarb sich Vitrenko auch um den Posten des Sekretärs des Kiewer Stadtrats, erhielt aber stattdessen den Vorsitz der Haushaltskommission – ein Kompromiss seitens Bürgermeister Witali Klitschko. In dieser Position mischte sich Vitrenko, wie journalistische Recherchen ergaben, nicht in die Arbeit Komarnyzkyjs ein und profitierte von den „Plänen“.
Die berufliche Laufbahn des potenziellen neuen Ministers wird auch durch kontroverse Momente in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ergänzt. Gemeinsam mit Vitrenko veröffentlichte er wirtschaftswissenschaftliche Arbeiten, die Verweise auf russische Quellen enthielten, was im Kontext eines umfassenden Krieges zumindest unangemessen erscheint.
Angesichts dieser Umstände wirft Vitrenkos wahrscheinliche Ernennung zum heiklen Amt des Bildungsministers nicht nur Fragen hinsichtlich seiner fachlichen Eignung, sondern auch hinsichtlich der politischen Zweckmäßigkeit auf.

