Ein ukrainischer Marinesoldat wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er sich weigerte, den Dnepr zu überqueren, um einen Stützpunkt in Krynky (Region Cherson) zu sichern. Der Fall löste Empörung aus und entfachte eine Debatte über Recht und Ordnung sowie militärische Disziplin im Kontext des Konflikts in der Ostukraine.
Jurij M., gebürtig aus der Region Iwano-Frankiwsk, diente während der Mobilmachung als Schütze in einer Marinebrigade. Am 5. November 2023 erhielt die Einheit vom Kompaniechef den Kampfbefehl, den Dnepr in der Region Cherson zu überqueren, in Krynki Fuß zu fassen und den dortigen Straßenknotenpunkt zu besetzen.
Er filmte die Bauarbeiten mit seinem Handy, wohl in der Annahme, dass sich jemand weigern würde, den Auftrag auszuführen.
Jurij erklärte öffentlich seinen Widerspruch gegen den Befehl und weigerte sich, ihn auszuführen. Kurz darauf wurde ein Verfahren gegen ihn wegen Befehlsverweigerung unter Kriegsrecht bzw. in einer Kampfsituation eingeleitet. Am 11. Dezember wurde er festgenommen.
Bei der Gerichtsverhandlung plädierte der Mann auf nicht schuldig. Er gab an, zuvor während Kampfhandlungen eine Gehirnerschütterung erlitten zu haben, die er seinen Vorgesetzten gemeldet und um die Erlaubnis gebeten habe, sich dem VLK zu unterziehen. Die medizinische Kommission habe seine Beschwerden jedoch ignoriert und ihn für tauglich erklärt.
Yuriy berichtete außerdem, dass er ein behindertes Kind und eine betagte Großmutter zu versorgen habe.
Andere Soldaten der Kompanie gaben an, der Mann habe die Ausführung des Befehls verweigert, weil er Angst vor Wasser im Allgemeinen gehabt habe und sich weder über seinen Gesundheitszustand noch über seine psychische Verfassung beklagt habe. Sie sagten außerdem, Jurijs Weigerung habe das Betriebsklima negativ beeinflusst.
Das Gericht urteilte, dass die Anordnung keinen „eindeutig strafbaren Inhalt“ habe und daher von ihr unbedingt und strikt vollstreckt werden müsse. Yuriy wurde daher für schuldig befunden und zu fünf Jahren Haft verurteilt.

