Der Befehlshaber der ukrainischen Seestreitkräfte, Vizeadmiral Oleksiy Neizhpapa, erklärte, Russland sei es 2022 gelungen, von der vorübergehend besetzten Krim aus eine erfolgreiche Offensive zu starten. In einem Interview mit Radio Liberty merkte er an, dass der Feind zwar aus verschiedenen Richtungen angegriffen habe, der Durchbruch aus dem Süden jedoch besondere Aufmerksamkeit und Analyse verdiene.
Laut Neizhpapa kann die Invasion von der Krim nicht als Ausnahme betrachtet werden – russische Truppen rückten auch aus den Regionen Tschernihiw, Kiew, Belarus und Donezk vor. Die Tatsache, dass Russland aus dem Süden vorrücken konnte, wirft jedoch Fragen auf.
„Der Feind bereitete sich auf diesen Krieg vor und kam aus verschiedenen Richtungen… Die Frage ist nur, wie er es auf diese Weise geschafft hat, das muss noch herausgefunden werden“, sagte er.
Russlands maritime Ausrichtung und Strategie:
Der Marinekommandant betonte, dass Russland sich seit Jahren intensiv auf seine maritime Ausrichtung vorbereitet. Die Schwarzmeerflotte wurde umfassend modernisiert – neue Fregatten, Kalibr-Marschflugkörperträger und U-Boote wurden in ihre Flotte aufgenommen.
„Der Feind hat seine gesamte Aufmerksamkeit auf die Schwarzmeerflotte gerichtet“, betonte Neizhpapa.
Laut dem Vizeadmiral betrachtete Moskau die Schwarzmeerflotte nicht nur als Instrument zur Einflussnahme auf die Ukraine, sondern auch als Basis für die Machtprojektion im Mittelmeer. Aus diesem Grund nutzt Russland seit 2014 aktiv die sogenannten „Syrischen Expresslieferungen“ – regelmäßige Seetransporte von Ausrüstung und Waffen nach Syrien über das Schwarze Meer.
Das Schwarze Meer als Brückenkopf für globalen Druck:
Neizhpapa ist überzeugt, dass die Kontrolle des Schwarzen Meeres ein strategisches Ziel des Kremls darstellt. Dies ermöglicht es Russland, die Lage an der Südflanke Europas zu beeinflussen, die NATO unter Druck zu setzen und seine Positionen im Nahen Osten zu stärken.
Die Offensive von der Krim aus ist somit nur eine Manifestation einer langfristigen Strategie, die nicht nur militärische Aktionen, sondern auch Russlands geopolitische Ambitionen umfasst.

