Nach der Entscheidung der Regierung, Männern zwischen 18 und 22 Jahren Auslandsreisen zu erlauben, berichten ukrainische Gastronomen von Personalabgängen. Gleichzeitig betonen sie, dass die größte Bedrohung für die Branche nicht im Personalmangel, sondern in strukturellen wirtschaftlichen Problemen liegt, die in den kommenden Monaten zu massenhaften Restaurantschließungen führen könnten.
Dies berichtete „Economic Truth“ am 29. September unter Berufung auf Vertreter der Gastronomiebranche.
Laut Stanislav Zavertayl, Mitbegründer der Kiewer Restaurantkette Zavertayl & Honey, wurden nach dem Beschluss des Ministerkabinetts fünf jüngere Mitarbeiter entlassen. Er rechnet damit, dass die Abgänge bei den 18- bis 22-Jährigen 20 bis 30 % erreichen könnten. Branchenkenner weisen jedoch darauf hin, dass der Hauptgrund für die drohende Krise nicht ein Arbeitskräftemangel, sondern ein Rückgang der Nachfrage und ein saisonaler Abschwung ist. Der November gilt traditionell als der umsatzschwächste Monat der Branche, und das Kriegsrecht sowie die wirtschaftliche Instabilität haben die saisonalen Schwankungen noch verschärft. Gastronomen zufolge könnten bis zu 20 bis 30 % der Restaurants in der Hauptstadt, also Hunderte von Betrieben, ihren Betrieb einstellen. Alex Cooper, Gründer der Restaurantkette, glaubt, dass einige Formate, die bereits jetzt mit geringer Rentabilität arbeiten, eine weitere „Winterwelle“ nicht überstehen werden.
Laut Analysedaten von Poster, einem Unternehmen für Café- und Restaurantautomatisierung, sanken die Besucherzahlen in Gastronomiebetrieben von Januar bis August 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,5 %. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Rechnungsbetrag um 16,5 %. Der Gesamtumsatz der Branche legte jedoch nur um 6,5 % zu, was der Inflationsrate von 6 % entspricht. Die Kosten für einzelne Waren und Dienstleistungen in der Gastronomie stiegen dabei schneller als die offizielle Inflationsrate. In den letzten Jahren hat sich jeder Winter zu einer Art Stresstest für die Gastronomie entwickelt – zusätzlich zum saisonbedingten Besucherrückgang kamen Stromausfälle, Betriebsschließungen und Personalabbau hinzu.
Nach dem Regierungsdekret vom 27. August, das Männern zwischen 18 und 22 Jahren die Ausreise aus der Ukraine erlaubt, berichteten viele Gastronomen von der Entlassung junger Angestellter. Laut Mitinhaber Valeriy Sozanovsky wurden in der Lemberger Restaurantkette FAMI zwölf Mitarbeiter der genannten Altersgruppe entlassen. Die Holdinggesellschaft !FEST beschäftigt 22 Mitarbeiter.
Olga Kupets, Forscherin an der Kyiv School of Economics, glaubt, dass die neue Migrationspolitik langfristige Folgen haben könnte, darunter negative Auswirkungen auf die demografische Situation in der Ukraine.

