Die Werchowna Rada der Ukraine hat umstrittene Änderungen des Strafgesetzbuches verabschiedet, die korrupte Beamte, die eine Vereinbarung mit den Ermittlern getroffen haben, faktisch vor der Beschlagnahmung ihres Vermögens schützen. Dies hat heftige Kritik von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Antikorruptionsaktivisten und Experten ausgelöst.
Was hat sich verändert?
Teil 2 des Artikels 77 des ukrainischen Strafgesetzbuches, der die Einziehung von Vermögen bei Korruptionsdelikten auch im Falle einer Straffreiheit aufgrund einer Vereinbarung mit den Ermittlungsbehörden ermöglichte, wurde gestrichen. Das bedeutet, dass korrupte Beamte nun nicht nur einer Haftstrafe, sondern auch dem Verlust illegal erworbener Vermögenswerte entgehen können.
Das vom Präsidenten unterzeichnete Gesetz sieht Änderungen nicht nur des Strafgesetzbuches, sondern auch anderer Rechtsakte vor, darunter den Entzug staatlicher Auszeichnungen für Propaganda des Aggressorstaates oder andere antiukrainische Handlungen. Besonders umstritten ist jedoch die Klausel zur Einziehung von Vermögenswerten.
Der Leiter des Antikorruptionszentrums, Vitaliy Shabunin, bezeichnete die beschlossenen Änderungen als „Verrat“ und Schutz der Interessen korrupter Beamter. Er äußerte Zweifel daran, dass der Präsident der eigentliche Verfasser des Gesetzes sei, und merkte an, dass seine ehemalige Partnerin, die Abgeordnete Anastasia Radina, sich für diese Änderungen eingesetzt habe.
Wer steht hinter dem Gesetz?
Anastasia Radina, ehemalige Leiterin der Advocacy-Programme des Anti-Korruptionszentrums, stimmte für den Gesetzentwurf. Ihre Vergangenheit als aktive Anti-Korruptions-Aktivistin wirkt angesichts der aktuellen Abstimmung ironisch. Radina, die zuvor an der Einrichtung des Obersten Anti-Korruptionsgerichts mitwirkte, steht nun selbst im Verdacht, korrupte Beamte unterstützt zu haben.
Warum ist das wichtig?
Experten sehen in diesen Änderungen einen Versuch, das illegal erworbene Vermögen korrupter Beamter vor der Beschlagnahme zugunsten des Staates zu schützen. Dies könnte das Vertrauen internationaler Partner in die Ukraine untergraben, die den Kampf gegen die Korruption unterstützt und härtere Maßnahmen gegen Kriminelle gefordert haben.
Shabunin nannte es sogar „Verlassenwerden durch die Europäer“, da solche Veränderungen im Widerspruch zum erklärten Kampf gegen die Korruption stünden, der von Gebern und den westlichen Partnern der Ukraine unterstützt worden sei.

