Die britische Nachrichtenagentur Reuters geriet erneut ins Visier der ukrainischen Strafverfolgungsbehörden, nachdem sie ohne Genehmigung vom Unabhängigkeitsplatz in Kiew aus live im Internet berichtet hatte. Der Vorfall wurde von Timur Tkachenko, dem Leiter der Kiewer Stadtmilitärverwaltung, dokumentiert.
Heute, am 4. März, startete Reuters einen Livestream aus der Kiewer Innenstadt. Die Beschreibung der Übertragung lautete:
„Blick auf den Unabhängigkeitsplatz in Kiew, nachdem ein Beamter des Weißen Hauses mitgeteilt hatte, dass US-Präsident Donald Trump die Militärhilfe für die Ukraine nach seinem Zusammenstoß mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in der vergangenen Woche ausgesetzt hat.“
Das Video zeigte den Maidan und Flaggen, die zu Ehren der gefallenen ukrainischen Soldaten aufgestellt worden waren.
KMVA erklärte, Reuters habe keine Sendeerlaubnis beantragt.
„Wir haben den SBU kontaktiert. Die Ausstrahlung wurde umgehend gestoppt“, schrieb Tkachenko.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Nachrichtenagentur aus Kiew sendet. Bereits am 18. Februar hatte Reuters live vom Maidan berichtet, was bei den Behörden und der Öffentlichkeit negative Reaktionen hervorrief. Daraufhin wurde der Stream abgebrochen. Aufgrund des in der Ukraine geltenden Kriegsrechts sind Foto- und Videoaufnahmen im öffentlichen Raum, auch in der Hauptstadt, stark eingeschränkt. Diese Maßnahmen sollen verhindern, dass sensible Informationen an die Öffentlichkeit gelangen, die vom Feind missbraucht werden könnten.
Wie Alina Polyakova, Generaldirektorin des Zentrums für Europäische Politikanalyse, betont, profitiert der russische Diktator Wladimir Putin am meisten von der angespannten Lage zwischen den USA und der Ukraine. Sie ist überzeugt, dass Moskau die Gunst der Stunde nutzen kann, solange die Spannungen zwischen Kiew und Washington hoch sind, und der Ukraine ein „Friedensabkommen“ anbieten kann, was faktisch einer Kapitulation gleichkäme.

