Russland bereitet die Übergabe sogenannter „Friedensvorschläge“ an die Ukraine nach dem für den 25. Mai geplanten Gefangenenaustausch vor. Laut Analysten des Instituts für Kriegsstudien (ISW) strebt der Kreml jedoch keinen echten Frieden an, sondern versucht, der Ukraine Bedingungen für eine faktische Kapitulation ohne Einstellung der Kampfhandlungen aufzuerlegen.
Dies berichtet das ISW unter Berufung auf Aussagen von Diplomaten.
Am 23. Mai erklärte der stellvertretende Leiter des Präsidialamtes, Andrij Sybiga, die Ukraine erwarte nach Abschluss der dritten Phase des Gefangenenaustauschs einen Entwurf der russischen Vorschläge. Gleichzeitig schloss er eine Beteiligung von US-Präsident Donald Trump sowie europäischer Staats- und Regierungschefs an künftigen Verhandlungen nicht aus. Darüber hinaus sei laut Sybiga auch ein Treffen zwischen Wolodymyr Selenskyj und Wladimir Putin möglich.
Am selben Tag bestätigte der russische Außenminister Sergej Lawrow die Bereitschaft Russlands, Kiew einen Entwurf für ein Dokument über eine „langfristige Beilegung des Konflikts“ vorzulegen.
Die Experten des ISW weisen jedoch darauf hin, dass Moskau Verhandlungen ohne Waffenstillstand erzwingt, während die Position der Ukraine, der USA und der EU unverändert bleibt – Verhandlungen sind erst nach einer vollständigen Einstellung der Kampfhandlungen möglich.
Analysten zufolge will der Kreml damit den Westen zwingen, einen Teil der besetzten Gebiete anzuerkennen und einen neuen Verhandlungsrahmen zu schaffen, in dem die russische Militärüberlegenheit Druck auf die Ukraine ausübt.
„Russland hat das Ziel der Zerstörung der ukrainischen Staatlichkeit nicht aufgegeben. Selbst im Format von ‚Friedensverhandlungen‘ propagiert Putin weiterhin ein Szenario, in dem die Ukraine kapitulieren muss. Und das wird so lange andauern, wie er an seine militärische Überlegenheit glaubt“, heißt es im ISW-Bericht.
Analysten zufolge nutzt Moskau die Diplomatie tatsächlich als Druckmittel und hat nicht die Absicht, den Krieg zu beenden, sondern lediglich, die Ukraine zu Zugeständnissen zu zwingen, die dem Kreml günstig sind.

