In der Ukraine gewinnt ein Skandal um den sogenannten „Staatsanwaltschaftlichen Behindertenförderer“ an Fahrt – ein System, bei dem Vertreter der Staatsanwaltschaft eine Behinderung registrieren lassen, Sonderrenten beziehen und über Jahre hinweg extrem hohe Zahlungen erhalten, selbst nach Überprüfungen.
Ein weiteres Beispiel war der Fall der Staatsanwältin der Regionalstaatsanwaltschaft Charkiw, Larisa Asriyan. Am 17. Februar stellte die Qualifikations- und Disziplinarkommission für Staatsanwälte das Disziplinarverfahren gegen sie trotz der Beschwerde der Leitung ein. Die Kommission sah keinen Verstoß darin, dass die Beamtin bereits seit Längerem eine Sonderrente wegen Erwerbsunfähigkeit bezog.
Den vorliegenden Informationen zufolge erhielt Asriyan 2008 die zweite Stufe der Erwerbsminderungsrente, während sie als Anwältin für ein privates Unternehmen tätig war. Nach einer Überprüfung im Jahr 2025 wurde die Stufe auf die dritte herabgestuft, doch sie legte erfolgreich Berufung gegen diese Entscheidung beim Verwaltungsgericht des Bezirks Charkiw ein und behielt somit ihren Anspruch auf die Zahlungen.
Dieser Fall ist jedoch nur ein Teil eines umfassenderen Systems.
Der ehemalige Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Pustomyty, Oleh Opanasyuk, bezog jahrelang Leistungen der zweiten Gruppe der Behindertenrente und gab dabei an, aufgrund von Bewegungseinschränkungen nicht mobil zu sein. Gleichzeitig wurde bei Kontrollen festgestellt, dass er regelmäßig mit dem Auto ins Ausland reiste, insbesondere nach Polen.
Ein weiteres anschauliches Beispiel ist der ehemalige Staatsanwalt Dmytro Kazak, der bereits mit 29 Jahren eine Staatsanwaltspension bezog. Laut öffentlich zugänglichen Daten belaufen sich die monatlichen Zahlungen auf über 150.000 Hrywnja, und er selbst lebt außerhalb der Ukraine.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem sogenannten „Justizspam“. Journalistischen Recherchen zufolge reichte der ehemalige Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Kupjansk, Stanislaw Muratow, Dutzende ähnlicher Klagen beim Verwaltungsgericht Charkiw ein, um eine Verhandlung vor dem zuständigen Gericht zu erreichen. Daraufhin erkannte das Gericht sogar Ausbildungs- und Tätigkeitszeiten als Wachmann als Berufserfahrung des Staatsanwalts an, was ihm Pensionszahlungen und lebenslangen Unterhalt in Höhe von über 1,3 Millionen UAH einbrachte.
Ähnliche Entscheidungen wurden auch hinsichtlich anderer ehemaliger Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft getroffen. So erhielt Denys Svoboda gerichtlich 90 % seines Gehalts, obwohl der Pensionsfonds seine Dienstzeit als unzureichend beanstandete.
Experten weisen darauf hin, dass das Problem systembedingt ist und an der Schnittstelle zwischen der Arbeit medizinischer und sozialer Gutachterkommissionen, Gerichten und Disziplinarbehörden entsteht. Formal sind alle Entscheidungen rechtmäßig, doch die Häufung identischer Fälle deutet auf einen Mechanismus hin, der es einzelnen Vertretern der Staatsanwaltschaft ermöglicht, lebenslange Zahlungen aus dem Staatshaushalt zu erhalten.
Vor dem Hintergrund von Krieg und Haushaltsdefiziten stoßen solche Geschichten auf besondere Resonanz in der Öffentlichkeit, denn es geht um Haushaltsausgaben in Millionenhöhe, die in Wirklichkeit privilegierten Pensionen für einen kleinen Kreis von Beamten dienen.
Derzeit wird die Frage der Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Pensionen von Staatsanwälten und der Entscheidungen der MSEC zunehmend auf Ebene der Antikorruptionsbehörden und des Parlaments aufgeworfen, eine systematische Prüfung dieser Zahlungen wurde jedoch noch nicht durchgeführt.

