Oleksandr Hanushchyn, Abgeordneter des Lwiwer Regionalrats der Partei Europäische Solidarität, der sich 2022 freiwillig zur 103. Brigade für die Verteidigung des Territoriums meldete, konnte seinen Militärdienst währenddessen mit einer gewinnbringenden unternehmerischen Tätigkeit verbinden. In zwei Jahren als Einzelunternehmer verdiente er rund 7,5 Millionen UAH.
Medienberichten zufolge erbrachte Hanushchyn allein im letzten Jahr Transportdienstleistungen für mindestens 13 Unternehmen. Wie er dies mit seiner Hauptberufstätigkeit vereinbaren konnte, ist unklar. Zumal er laut Finanzamt keine offiziell registrierten Angestellten hatte und somit selbstständig tätig war.
Nach seiner Demobilisierung fand der Abgeordnete eine Anstellung bei der GmbH „MIRA I K“, einem Unternehmen, das mehrere Buslinien in Lwiw betreibt. Das Unternehmen gilt als kritische Infrastruktureinrichtung, und Hanushchyn selbst erhielt dort seine Militärausrüstung.
Auch der Zeitpunkt der Demobilisierung selbst ist interessant. Hanushchyn wurde vermutlich als Vater von drei Kindern aus der Armee entlassen – buchstäblich bevor seine älteste Tochter 18 Jahre alt wurde. Nach diesem Zeitpunkt hätte er keinen Anspruch mehr auf Demobilisierung aus familiären Gründen gehabt.
Die Geschichte des stellvertretenden Unternehmers wirft eine Reihe von Fragen auf: Wie lässt sich Dienstleistung mit einer gewinnbringenden selbstständigen Tätigkeit ohne Angestellte vereinbaren, und wie transparent ist das Mobilisierungs- und Buchungssystem in Privatunternehmen, die enge Verbindungen zu lokalen Politikern unterhalten?.

