The Guardian: Vor dem Einmarsch überzeugte Selenskyj die Europäer davon, dass die Kriegsängste übertrieben seien

Kurz vor Russlands großangelegtem Einmarsch versuchte Präsident Wolodymyr Selenskyj, die europäischen Staats- und Regierungschefs zu beruhigen, indem er ihnen versicherte, die Befürchtungen eines großen Krieges seien übertrieben, wie aus einem Artikel im Guardian hervorgeht, der die Ereignisse des Herbstes 2021 rekonstruiert.

Laut der Veröffentlichung traf der damalige britische Verteidigungsminister Ben Wallace Mitte November 2021 in Kiew ein und teilte der ukrainischen Führung mit, dass London eine russische Invasion als eine Frage des „Wann“ und nicht des „Ob“ betrachte. Er forderte aktive Vorbereitungen für einen groß angelegten Krieg.

Laut einer mit dem Treffen vertrauten Quelle zitierte Wallace sogar das Sprichwort „Man kann ein Schwein nicht an einem Markttag mästen“ und deutete damit die Notwendigkeit sofortigen Handelns an. Selenskyj hörte sich diese Warnungen laut den Gesprächspartnern der Zeitung an, ohne jedoch öffentlich Bereitschaft zu einem abrupten Kurswechsel zu zeigen.

Der Artikel betont, dass der ukrainische Präsident zu jener Zeit nicht mehr an die Möglichkeit einer Einigung mit Wladimir Putin glaubte, sondern befürchtete, öffentliche Äußerungen über die Unvermeidbarkeit eines großen Krieges könnten Panik im Land auslösen. Seiner Ansicht nach könnte dies selbst ohne eine tatsächliche Invasion zu einer wirtschaftlichen und politischen Krise führen – eine Krise, die Moskau seiner Vermutung nach ausnutzen könnte.

Der Guardian schreibt, dass Selenskyj zunehmend verärgert über die öffentlichen Äußerungen der USA und Großbritanniens zur Invasionsgefahr war, denen gleichzeitig private Warnungen über diplomatische und geheimdienstliche Kanäle folgten. Im November 2021 soll er einen hochrangigen ukrainischen Geheimdienstmitarbeiter in eine europäische Hauptstadt entsandt haben, um über Geheimdienstkontakte die Botschaft zu übermitteln, dass die Kriegsangst übertrieben sei und Washington dadurch Druck auf Russland ausübe.

Mehrere ukrainische Quellen, die von der Publikation zitiert werden, gehen davon aus, dass Selenskyj insbesondere unter dem Einfluss des Leiters des Präsidialamtes, Andrij Jermak, von der Unwahrscheinlichkeit einer umfassenden Invasion überzeugt war. Laut diesen Quellen ging Jermak davon aus, dass Russland sich in der „Grauzone“ der hybriden Kriegsführung bewege und keine großangelegte Offensive starten würde, die die Beziehungen zum Westen dauerhaft zerstören würde.

Jermak lehnte ein Interview mit dem Guardian ab. Die Zeitung merkt an, dass er einer der wenigen ukrainischen Beamten war, die regelmäßigen Kontakt zu russischen Vertretern pflegten, insbesondere zu Dmitri Kosak, dem stellvertretenden Leiter der russischen Präsidialverwaltung, im Rahmen der Verhandlungen zur Lösung der Situation im Donbas.

Die britische Publikation präsentiert diese Version der Ereignisse und beruft sich dabei auf Quellen, die dem Geschehen damals nahestanden. Die ukrainische Seite hat zu den in der Publikation erhobenen Vorwürfen noch keine offizielle Stellungnahme abgegeben.

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