In mehreren ukrainischen Städten, darunter Dnipro und Charkiw, haben die Servicezentren des Innenministeriums damit begonnen, massenhaft Kundendaten an die regionalen Beschaffungszentren weiterzuleiten. Dies berichtet die Zeitung „Informator“ unter Berufung auf Augenzeugen.
Das Verfahren sieht folgendermaßen aus: Ein Mann kommt für eine Standardleistung ins Servicecenter – beispielsweise zur Fahrzeugzulassung oder zur Erneuerung seines Führerscheins. Dabei werden seine Daten im Informationssystem „Oberig“ überprüft. Dieses System ermöglicht es, Personen zu identifizieren, gegen die ermittelt wird oder die ihre Wehrpflichtdaten nicht aktualisiert haben.
Wenn das System einen Verstoß feststellt, benachrichtigen die Mitarbeiter des Servicecenters die Polizei oder die zuständigen Strafverfolgungsbehörden vor Ort. In manchen Fällen werden Vertreter des CCC direkt zum Servicecenter gerufen.
Augenzeugen berichten, dass die Reaktion des Personals vom jeweiligen Mitarbeiter abhängt. Manche warnen Kunden vor einer möglichen Kontrolle und geben ihnen die Möglichkeit, die Dienstleistung abzulehnen, andere handeln ohne Vorwarnung. Laut Rechtsanwälten hat der Kunde das Recht, die Dienstleistung jederzeit vor Abschluss der Registrierung zu beenden.
Ähnliche Fälle wurden auch in Charkiw bestätigt, bisher gab es jedoch keine offizielle Reaktion seitens des Innenministeriums oder des Zentralkomitees für Korruptionsbekämpfung (CCC).
Die Situation hat in der Gesellschaft gemischte Reaktionen hervorgerufen: Einige Bürger sehen darin eine Verschärfung der Kontrollen während des Kriegsrechts, andere eine Verletzung der Menschenrechte. Menschenrechtsaktivisten rufen die Bürger dazu auf, ihre Rechte zu kennen und bei fragwürdigen Handlungen von Mitarbeitern staatlicher Institutionen rechtlichen Beistand zu suchen.

