In der Ukraine nehmen die Risiken von Ausfällen der Wasserversorgung zu, was weitaus gravierendere Folgen haben könnte als langfristige Stromausfälle. Experten warnen vor einem sogenannten „Wasserausfall“ – einer großflächigen Unterbrechung der Wasserversorgung, die eine unmittelbare Gefahr für die hygienische Sicherheit darstellt.
Dies erklärte Dmytro Nowizki, Präsident des Verbandes Ukrvodokanalekologiya, vor dem Hintergrund von Warnungen von Präsident Wolodymyr Selenskyj bezüglich möglicher russischer Angriffe auf die Wasserinfrastruktur.
Laut dem Experten reicht die bloße Verstärkung des physischen Schutzes von Anlagen, insbesondere der Bau von Betonbunkern, nicht aus, um das Problem umfassend zu lösen. Entscheidend ist die Schaffung autonomer Systeme, die auch bei einem vollständigen Stromausfall funktionieren. Dazu gehören Generatoren, Notstromaggregate und Blockheizkraftwerke, die die Netzstabilität gewährleisten.
Gleichzeitig gibt es keine Universallösungen – jede Stadt hat ihre eigenen technischen Besonderheiten, die einen individuellen Ansatz erfordern.
Der Experte betonte, dass die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung eine komplexe Infrastruktur darstellt, deren Wiederherstellung im Schadensfall deutlich länger dauert als bei Energienetzen. Ausfälle im Abwassersystem sind besonders gefährlich: Wenn Pumpstationen ausfallen, kann Abwasser austreten und eine großflächige ökologische und hygienische Krise auslösen.
Cyberbedrohungen stellen weiterhin eine separate Herausforderung dar. Laut Nowitzki können Störungen des Betriebs von SCADA-Systemen, die die Wasserversorgung steuern, selbst ohne physische Angriffe Unfälle verursachen.
„SCADA-Systeme benötigen einen verbesserten Schutz, da Ferneingriffe katastrophale Druckstöße verursachen können. Das ist eine reale Bedrohung“, bemerkte er.
Trotz der Risiken setzen Unternehmen der Branche bereits Maßnahmen zur Erhöhung der Resilienz um. Dazu gehören die Autonomie von Pumpen in Wohngebäuden, die Entwicklung von Pumpenräumen mit unabhängiger Stromversorgung, der Einsatz mobiler Wasseraufbereitungssysteme und die hydraulische Zonierung von Netzen.
Die Finanzierung bleibt jedoch ein zentrales Problem. Laut Experten decken die aktuellen Tarife nur etwa 75 % der tatsächlichen Kosten der Dienstleistungen, was zu erheblichen Verlusten führt.
„Im Jahr 2024 überstiegen die Verluste der Branche 5 Milliarden Hrywnja, und im Jahr 2025 könnten sie 12,7 Milliarden erreichen. Unter solchen Bedingungen sind die Unternehmen nicht in der Lage, Rücklagen zu bilden und die notwendige Ausrüstung zu beschaffen“, erklärte Novytsky.
Nach Schätzungen internationaler Partner beläuft sich der direkte Schaden an der Wasserinfrastruktur bereits auf Milliarden von Dollar, und für eine vollständige Wiederherstellung werden in den nächsten zehn Jahren Investitionen in Höhe von mehreren zehn Milliarden Dollar erforderlich sein.
Darüber hinaus wird ein erheblicher Teil der kritischen Ausrüstung nicht in der Ukraine hergestellt, was die Abhängigkeit von internationaler Hilfe, insbesondere von humanitären Organisationen, erhöht.
Experten betonen, dass die Wasserversorgung derzeit maßgeblich von den Anstrengungen der Industriearbeiter abhängt. Ohne systemische Veränderungen wird es jedoch in Zukunft zunehmend schwieriger werden, eine stabile Wasserversorgung zu gewährleisten.

