Der Palmsonntag zählt zu den glanzvollsten und poetischsten Feiertagen im christlichen Kalender. Er erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem und leitet gleichzeitig die letzte Woche der Fastenzeit – die Karwoche – ein. Im Jahr 2025 fällt dieser Feiertag auf den 13. April, und traditionell segnen die Ukrainer Weidenzweige, um Segen, Schutz und Hoffnung in ihre Häuser zu bringen.
Die Weide ist in der Ukraine ein Symbol der spirituellen Erneuerung, ein Ersatz für den Palmzweig, den die Einwohner Jerusalems zur Begrüßung Jesu hielten. Um sie herum haben sich ganze Schichten von Volksbräuchen, Glaubensvorstellungen und Symbolen entwickelt, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Doch der Palmsonntag ist nicht nur ein Fest der Rituale, sondern auch der inneren Stille, des Gebets und der Vorbereitung der Seele auf Ostern.

Feiertraditionen
Am Palmsonntag segnen die Ukrainer traditionell einen Weidenbaum in der Kirche. Beim Verlassen der Kirche berühren sich die Gläubigen leicht mit einem Weidenzweig und sagen: „Nicht ich berühre, die Weide berühre mich. Ostern ist in einer Woche.“ Besonders in den Karpaten glaubt man, dass man durch die Berührung der Angehörigen mit geweihten Weidenzweigen alle Sorgen vertreibt, die ihnen im kommenden Jahr widerfahren könnten.

Geweihte Zweige werden üblicherweise das ganze Jahr über zu Hause in der Nähe von Ikonen aufbewahrt, als Symbol des Schutzes vor Unglück, und niemals weggeworfen. Die Weide vom Vorjahr kann an einem sauberen Ort verbrannt oder vergraben werden.
Die Bevölkerung pflegte auch den Brauch, einen geweihten Weidenzweig aus der Kirche auf einem Feld oder in einem Garten zu pflanzen. Wurde der Zweig angenommen, so glaubte man, dass eine reiche Ernte zu erwarten sei. Lebte ein junges Mädchen im Haus, sagte ein ausgetriebener Weidenzweig ihre Heirat voraus.
Der heiligen Weide wurden magische Kräfte zugeschrieben. Sie wurde von Bauern verwendet, um ihr Vieh zum ersten Mal auf die Frühlingsweiden zu treiben, „damit böse Geister sich nicht an die Tiere heften“.
Der Besitzer ging mit einer geweihten Weide um sein Gehöft, um böse Geister abzuwehren. Man glaubte, der Rauch der brennenden Weide würde das Haus reinigen.
Auch in der Volksmedizin spielte die Weide eine wichtige Rolle. Man glaubte, dass man, nachdem ein Priester einen Zweig mit Weihwasser geweiht hatte, einige „Siegel“ des Zweiges schlucken sollte, „damit der Hals nicht schmerzt“. Mancherorts wurde ein Weidenaufguss verwendet, da man glaubte, er helfe gegen Erkältungen.
Verbote und Einschränkungen am Palmsonntag
In der Palmwoche bereiten sich Gläubige auf Ostern vor und sollten sich daher Zeit für Gebet und spirituelle Einkehr nehmen. Streit, ausgelassenes Feiern und laute Feste sind in dieser Zeit verboten. Wer an diesem Tag um Hilfe gebeten wird, darf diese nicht ablehnen, denn der Feiertag lehrt Mitgefühl und Nächstenliebe. Christen wird außerdem geraten, nicht zu viel zu essen, da die Fastenzeit noch nicht vorbei ist.
Gemäß den kirchlichen Vorschriften ist am Lazarussamstag (dem Tag vor Palmsonntag) eine gewisse Lockerung des Fastens erlaubt. An diesem Tag und am Palmsonntag darf man Fisch, Kaviar und Pflanzenöl essen sowie ein wenig Wein trinken. Starker Alkohol bleibt jedoch verboten.
Es gibt kein direktes Verbot, an diesen Tagen von zu Hause oder im Garten zu arbeiten, es wird jedoch empfohlen, dies zu unterlassen.
Was man am Palmsonntag unternehmen kann

Das Hauptritual des Festes ist mit Weidenzweigen verbunden. Diese sollen einige Tage im Voraus von gesunden Bäumen geschnitten werden (sie dürfen unter keinen Umständen von Bäumen auf Friedhöfen, in der Nähe von Gewässern oder auf Mülldeponien abgebrochen oder entnommen werden) und in Wasser gestellt werden, damit die „Siegel“ Zeit zum Aufblühen haben.
Am Palmsonntag werden in den Kirchen Weidenzweige gesegnet. Dies ist ein wichtiger Bestandteil der Tradition, daher lohnt sich der Besuch des Gottesdienstes auf jeden Fall.
Nach der Weihe ist es am besten, die Weidenzweige mit nach Hause zu nehmen und sie in der Nähe der Ikonen zu platzieren; dies bringt Segen ins Haus.
Diesen Tag verbringt man am besten im kleinen Kreis von Familie und Freunden, indem man sich gegenseitig gute Wünsche wünscht.
Volksglaube für den Palmsonntag
- Sonne und Windstille am Palmsonntag bedeuten den Beginn des warmen Sommers;
- Weht an diesem Tag ein starker Wind, so wird das Wetter den ganzen Sommer über wechselhaft sein
- Wenn es am Palmsonntag Frost gibt, kann man getrost mit einer reichen Ernte an Frühlingsfrüchten rechnen;
- Das bewölkte Wetter an diesem Tag verheißt reiche Ernten im Sommer;
- Wenn es am Palmsonntag regnet, dann wird die gesamte Ernte gut ausfallen;
- Wenn an diesem Tag eine Pflanze gepflanzt wird, bringt sie den Hausbesitzern Reichtum;
- Wenn man Vieh leicht mit einer geweihten Weide schlägt, werden die Tiere das ganze Jahr über nicht krank
- Ein im Ofen verbrannter Weidenzweig schützt das Haus vor Feuer;
- Ein geweihter Weidenzweig, der am Dach befestigt wird, soll die Gesundheit der Familie bewahren und Frieden bringen.

