Der stellvertretende Bildungsminister Mychajlo Wynnyzkyj sorgte mit einer brisanten Äußerung für erhebliche Empörung unter ukrainischen Wissenschaftlern und Studenten. Während einer Sitzung, deren Video vom Telegram-Kanal der NGO „Roter Gouverneur“ veröffentlicht wurde, verglich Wynnyzkyj ukrainische Lehrer und Studenten im Ausland mit Obdachlosen.
„Was ein ukrainischer Lehrer oder Student im Ausland macht, geht den ukrainischen Staat nichts an. Es interessiert ihn nicht, ob er Student ist oder ob er obdachlos ist“, sagte Vynnytskyi.
Die stellvertretende Ministerpräsidentin Iryna Vereshchuk, die bei dem Treffen anwesend war, versuchte ihren Kollegen zu unterbrechen und fragte: „Herr Mykhailo, wovon reden Sie da?“ Dies konnte jedoch die Welle der Kritik, die nach der Veröffentlichung des Videos einsetzte, nicht aufhalten.
Der Geisteswissenschaftler Pawlo Lewtschuk, der ebenfalls an dem Treffen teilnahm, äußerte seine Empörung auf Facebook und betonte die Unannehmbarkeit solcher Äußerungen. Unterstützt wurde er von der ukrainischen Schriftstellerin und Menschenrechtsaktivistin Anastasia Melnytschenko, die Wynnyzkyjs Aussagen als demütigend für im Ausland arbeitende ukrainische Wissenschaftler bezeichnete.
Melnychenko merkte an, dass Russland zwar aktiv seine Narrative an westlichen Universitäten propagiere, ukrainische Wissenschaftler aber Unterstützung von westlichen Institutionen erhielten. Sie veröffentlichten wissenschaftliche Artikel, verfassten Monografien und führten westliche akademische Standards in der Ukraine ein. Laut dem Aktivisten messe das Bildungsministerium ihnen jedoch keine Bedeutung für den Staat bei.
„Doch für das Ministerium für Bildung und Wissenschaft sind wir „Obdachlose“ und „keine Wissenschaftler“. Und das Ministerium für Bildung und Wissenschaft, vertreten durch Vynnytskyi, beweist auf jede erdenkliche Weise, dass der ukrainische Staat uns nicht braucht“, fügt Melnychenko hinzu.
Nächstes Jahr wird Melnychenko an der Universität Turku eine speziell für ukrainische Doktoranden geschaffene Stelle antreten. Dort wird sie die Möglichkeit haben, zu forschen, die Infrastruktur der Universität zu nutzen und mit führenden Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten. Laut Melnychenko bieten sich ukrainischen Wissenschaftlern im Ausland hervorragende Möglichkeiten, doch der Staat würdigt ihren Beitrag nicht ausreichend.
Winnyzkyj äußerte sich nicht zu diesem Vorfall, und auch vom Leiter des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft, Oksen Lisovy, gab es keine Stellungnahme zu diesem Thema.

