Der ukrainische Immobilienmarkt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Die Nachfrage nach Wohnraum ist stark gesunken, und selbst die staatlichen Vorzugshypotheken „e-Oselya“, die zuvor für einen florierenden Markt sorgten, können die Situation nicht mehr retten.
Ukrainer haben ihre Meinung zum Immobilienkauf geändert. Immobilienmakler berichten von einem starken Nachfragerückgang, und selbst die staatliche Vorzugshypothek „e-Oselya“, die bis vor Kurzem noch ein Verkaufsschlager war, nützt nichts mehr.
Im Gegenteil, die Zahl der zum Verkauf stehenden Wohnungen steigt. Laut Schätzungen von Yuriy Pita, dem ehemaligen Vorsitzenden des Verbandes der Immobilienfachleute, hat die Zahl der Anträge auf den Verkauf von Immobilien um 20 bis 30 Prozent zugenommen.
Infolgedessen sind die Immobilienpreise wieder gesunken. Iryna Lukhanina, eine Immobilienmaklerin in der Hauptstadt, berichtet von einem Preisrückgang um 10 bis 12 Prozent.
Laut Pita ist diese Situation in fast allen Städten zu beobachten, sogar in den westlichen Regionen, wo die Wohnungsverkäufe vor Kurzem Rekordhöhen erreichten.
Experten nennen mehrere Gründe für den Markteinbruch. Erstens die Auswirkungen des Mobilmachungsgesetzes, nach dem viele Männer in finanzielle Not gerieten und sich aus Angst vor der Beschlagnahmung ihres Eigentums nicht mehr trauen, größere Summen auszugeben. Zweitens entscheiden sich immer mehr Ukrainer, die das Land verlassen haben, nicht zurückzukehren und verkaufen daher ihre Immobilien. Drittens die allgemein wachsende Pessimismusstimmung angesichts eines langwierigen Krieges, dessen Ende ungewiss ist.
Zudem wurden die Mittel für das Wohnungsbauzertifikatsprogramm „e-Renovierung“ (das den Kauf einer neuen Wohnung anstelle einer abgerissenen ermöglicht) unerwartet eingestellt. Das Ministerkabinett stellte daraufhin Gelder bereit, doch ob diese ausreichen werden, ist ungewiss.
Gleichzeitig bildet Charkiw, das sich an vorderster Front befindet, eine paradoxe Ausnahme vom allgemeinen Trend sinkender Wohnungsnachfrage. Hier stieg die Zahl der Wohnungskäufe und -verkäufe laut lokalen Immobilienmaklern und Gutachtern im Juni und Juli an.

