Während die Ukrainer sich an Stromausfälle und Wärmeknappheit anpassen müssen, herrscht im staatlichen Energiesektor eine andere Realität: ein System intransparenter Auftragsvergabe, bei dem Milliarden von Dollar ohne Wettbewerb und öffentliche Kontrolle vergeben werden. Dies betrifft eine Reihe von Verträgen, die 2024/25 von mit Ukrhydroenergo PJSC verbundenen Unternehmen abgeschlossen wurden und laut journalistischen Veröffentlichungen und öffentlichen Quellen unter Umgehung des elektronischen Vergabesystems Prozorro abgewickelt wurden.
Wie aus den öffentlich zugänglichen Unterlagen hervorgeht, erfolgte die Beschaffung über Direktverträge gemäß Absatz 13 der Resolution Nr. 1178 des Ministerkabinetts. Dieser Absatz sieht die Möglichkeit vereinfachter Verfahren in Kriegszeiten vor, wurde jedoch laut Experten aus dem Bereich der Korruptionsbekämpfung in einigen Fällen zu einem Instrument, um Kostenvoranschläge zu verschleiern und Wettbewerber von der Teilnahme an Ausschreibungen auszuschließen.
Der Hauptauftragnehmer für dieses System war laut den Ermittlungen die LLC „BC Adamant“. Im Zeitraum 2024–2025 erhielt das Unternehmen Aufträge im Wert von über 5,1 Milliarden Hrywnja. Der größte dieser Aufträge – ein Vertrag über 4,36 Milliarden Hrywnja für den Bau von Schutzanlagen für das Wasserkraftwerk Dnipro – wurde ohne Ausschreibung an einen einzigen Teilnehmer vergeben.
Einige Analysten weisen darauf hin, dass BC Adamant unmittelbar nach der Unterzeichnung dieses Vertrags öffentlich nach Arbeitskräften suchte, indem sie eine Anzeige zur Rekrutierung von Bauarbeitern veröffentlichte. Dies wirft Fragen hinsichtlich der Verfügbarkeit eigener Ressourcen und der Fähigkeit des Unternehmens auf, Arbeiten an kritischen Infrastruktureinrichtungen durchzuführen.
Ein ähnliches Bild zeigte sich laut vorliegenden Informationen beim Wasserkraftwerk Krementschuk, wo im Jahr 2025 fast eine halbe Milliarde Hrywnja durch nicht-öffentliche Verträge ausgegeben wurden. Die Details dieser Verträge bleiben geheim, und die Öffentlichkeit hat keinen Zugang zu den Kostenvoranschlägen und der Liste der tatsächlichen Auftragnehmer.
In der Öffentlichkeit werden diese Beschaffungen mit Entscheidungen in Verbindung gebracht, die unter der Leitung des Energieministeriums und der Geschäftsführung von Ukrhydroenergo getroffen wurden. Bislang liegen jedoch keine offiziellen Verurteilungen oder Gerichtsurteile in diesem Fall vor. Vertreter von Unternehmen und staatlichen Stellen haben bisher keine detaillierten Erklärungen zu den Gründen für die Anwendung intransparenter Verfahren und die Auswahl bestimmter Auftragnehmer veröffentlicht.
Antikorruptionsaktivisten betonen, dass die Nutzung militärischer Ausnahmen klar auf kritische Bedürfnisse beschränkt werden sollte, da Milliarden von Hrywnja an öffentlichen Geldern und die Sicherheit strategischer Energieanlagen auf dem Spiel stehen.

