Eine neue Entwicklung italienischer Wissenschaftler könnte unser Verständnis von Privatsphäre grundlegend verändern. Forscher der Universität La Sapienza in Rom haben die WhoFi-Technologie entwickelt, die es ermöglicht, Personen allein mithilfe von WLAN-Signalen zu identifizieren und zu verfolgen – ganz ohne Smartphones, Kameras oder andere Geräte.
So funktioniert es
Jeder Mensch besitzt einen einzigartigen „Körper-Fingerabdruck“ – die Art und Weise, wie sein Körper die Ausbreitung von WLAN-Funkwellen beeinflusst. Dieser Effekt ist so unverwechselbar, dass das System darauf trainiert werden kann, eine bestimmte Person beim Betreten eines Raumes wiederzuerkennen – selbst wenn sie ihre Kleidung gewechselt oder sich in einen anderen Raum begeben hat.
Die WhoFi-Technologie nutzt ein neuronales Netzwerk und die Analyse von Signalveränderungen zwischen zwei herkömmlichen WLAN-Routern. Tests wurden mit 14 Personen durchgeführt, wobei eine Erkennungsgenauigkeit von 95,5 % erreicht wurde, was bereits deutlich höher ist als bei früheren Experimenten (etwa 75 %).
Welche Bedrohung geht hieraus hervor?
Obwohl WhoFi noch ein experimenteller Prototyp ist, sind die potenziellen Anwendungsfälle besorgniserregend:
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Im Handel kann ein Geschäft einen Besucher „erkennen“ und ihm personalisierte Angebote senden;
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Bei Spezialeinsätzen können die Dienste die Bewegungen einer Person ohne deren Wissen verfolgen;
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Bei der Unterdrückung von Protesten ist es möglich, die Teilnehmer der Proteste auch ohne Videoüberwachung zu identifizieren;
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In Wohngebäuden können Angreifer die Anwesenheit von Personen hinter den Wänden überwachen.
Die Technologie kann durch Wände „sehen“, ist unabhängig von der Beleuchtung und benötigt keine menschliche Bedienung. Man braucht lediglich zwei herkömmliche WLAN-Router.
Noch kein Beweis, aber ein Werkzeug
WhoFi liefert zwar noch keine forensischen Beweise, ist aber für die operative Überwachung ausreichend effektiv. Und obwohl es sich bisher nur um ein Forschungsprojekt handelt, warnen Sicherheitsexperten bereits davor, dass solche Technologien ohne gesetzliche Regulierung zu einem Instrument der Massenüberwachung werden könnten.

