Anfang 2026 sahen sich ukrainische Autofahrer mit einem Rekordanstieg der Autogaspreise konfrontiert. Innerhalb weniger Wochen stieg der Preis für diesen Kraftstoff um mehr als 3,5 Hrywnja pro Liter und näherte sich der psychologisch wichtigen Marke von 40 UAH/Liter. Am 9. Januar lag der durchschnittliche Autogaspreis an Tankstellen bei 37,95 UAH pro Liter – der zweithöchste Wert der letzten 14 Jahre.
In großen Tankstellennetzen hat der Preis für Flüssiggas bereits fast 40 Hrywnja erreicht. WOG und OKKO verkaufen Autogas beispielsweise für 39,98–39,99 Hrywnja pro Liter, SOCAR für 39,41 Hrywnja und KLO für 39,4 Hrywnja. Einige Discounter bieten günstigere Kraftstoffe an: So kostet Autogas bei BRSM-Nafta 35,83 Hrywnja pro Liter und bei Ukrnafta 38,44 Hrywnja.
Experten zufolge ist der Hauptgrund für diesen starken Preisanstieg die Einführung der neuen Verbrauchssteuern am 1. Januar 2026. Der Preis für Autogas stieg von 173 auf 198 Euro pro 1.000 Liter, für Benzin von 271,7 auf 300,8 Euro und für Dieselkraftstoff von 215,7 auf 253,8 Euro. Laut Berechnungen von Oleksandr Sirenko, Analyst bei NaftoRynok, entspricht dies einer Preiserhöhung von rund 1,5 UAH pro Liter Autogas, 1,8 UAH pro Liter Benzin und 2,2 UAH pro Liter Diesel.
Wie Experten erklären, reagierte Autogas jedoch schneller und stärker auf die Verbrauchssteuern als andere Kraftstoffarten. Der Grund dafür liegt in den Besonderheiten des Marktes. Flüssiggas wird praktisch nicht gelagert und direkt verkauft, sodass die neuen Steuern sofort im Großhandelspreis enthalten sind und die Tankstellen schnell erreichen. Benzin und Diesel hingegen wurden teilweise aus Lagerbeständen verkauft, die zu den alten Preisen angekauft worden waren.
Gleichzeitig versichern Experten, dass es in der Ukraine keinen Autogasmangel gibt. Selbst die Angriffe auf die Brücke in der Region Odessa, über die ein erheblicher Teil der Kraftstoffimporte abgewickelt wird, führten nicht zu Versorgungsengpässen. Marktteilnehmern zufolge haben Importeure schon lange auf langfristige Verträge und alternative Routen umgestellt, wodurch Lieferunterbrechungen vermieden werden können.
Angesichts des drastischen Preisanstiegs greift der Staat nicht aktiv ein. Experten kritisieren die Passivität des Kartellamts und das Fehlen systematischer Marktarbeit seitens der zuständigen Ministerien.
Die Einschätzungen zu den weiteren Aussichten gehen auseinander. Wolodymyr Omeltschenko, Leiter der Energieprogramme am Rasumkow-Zentrum, glaubt, dass Autogas bereits ein neues Preisniveau erreicht hat und es keinen weiteren starken Anstieg geben wird, sofern die Hrywnja nicht einbricht. Er prognostiziert Schwankungen von plus/minus 5 % des aktuellen Preises. Oleksandr Sirenko räumt hingegen ein, dass die Großhandelspreise noch um etwa 1,5 Hrywnja pro Liter steigen könnten, schließt aber gleichzeitig einen Rückgang nicht aus – basierend auf den Ergebnissen der jüngsten Auktionen, bei denen die Preise niedriger waren als vor einer Woche.
Ob die Marke von 40 UAH pro Liter in naher Zukunft durchbrochen wird, hängt daher in erster Linie vom Wechselkurs und der Situation auf dem Großhandelsmarkt für Kraftstoffe ab.

