Der ukrainische Arbeitsmarkt leidet seit Beginn des großflächigen Krieges unter einem Fachkräftemangel. In den letzten zwei Jahren hat sich trotz steigender Stellenzahlen eine geringe Konkurrenz unter den Arbeitssuchenden zur Norm entwickelt.
Die Zahl der Stellenangebote in der Ukraine steigt weiter, doch der Wettbewerb bleibt gering. In diesem Frühjahr verzeichnen die großen Jobportale Rekordzahlen an offenen Stellen, die sogar die Vorkriegszahlen übertreffen. Allein im letzten Monat veröffentlichte das Portal Work.ua 111.000 Stellenangebote, verglichen mit dem bisherigen Rekord im September 2023 – 106.000 offene Stellen. Vor dem Krieg veröffentlichte das Portal robota.ua monatlich 90.000 offene Stellen (Stand: Januar 2022), und im März 2024 stieg diese Zahl auf 102.000.
Diese Daten deuten auf eine Erholung der Wirtschaft hin. Der Arbeitsmarkt bietet heute in 14 Regionen mehr offene Stellen als im Februar 2022. Die meisten Stellenangebote im April 2024 wurden in den Regionen Riwne, Ternopil, Transkarpatien, Tscherniwzi und Schytomyr verzeichnet. Auch die Zahl der Stellenangebote stieg in den Regionen Kiew, Lwiw, Dnipropetrowsk und Odessa um 7–9 %.
Die Zahl der Arbeitssuchenden ist jedoch nahezu unverändert. 320.600 Menschen haben im April ihre Lebensläufe auf dem Portal Work.ua hochgeladen – fast genauso viele wie im Vormonat. Aufgrund der gestiegenen Anzahl offener Stellen nimmt der Wettbewerb jedoch weiter ab.
Was offene Stellen betrifft, sind Verkäufer, Fahrer und Verkaufsleiter weiterhin am gefragtesten. Laut dem staatlichen Arbeitsamt wurden die meisten Stellen im Dienstleistungssektor ausgeschrieben. Auch die Zahl der Stellenangebote im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie im Tourismus ist gestiegen. In diesen Branchen sind vor allem Spülkräfte, Zimmermädchen, Kellner, Barkeeper und Restaurant- bzw. Hotelangestellte gefragt.
Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, setzen Arbeitgeber verschiedene Methoden ein, darunter Umschulungen, Programme für junge Berufstätige, Prozessautomatisierung und Outsourcing. Auch die Zahl der offenen Stellen, für die Arbeitgeber bereit sind, Veteranen, Berufsanfänger, Rentner, Studierende und Menschen mit Behinderungen einzustellen, ist gestiegen.
Der vollständige Einmarsch in die Russische Föderation führte aufgrund der Migration von Bürgern und der Mobilisierung von Männern in die ukrainischen Streitkräfte zu einer Krise auf dem Arbeitsmarkt. Zu den Gründen für den Personalmangel zählt ein erheblicher Mangel an Fachkräften und Angehörigen berufstätiger Berufe.

