In der Ukraine läuft eine großangelegte Mobilisierungskampagne, doch selbst Personen mit einer offiziellen Reservierung befinden sich oft in einer unsicheren Lage. Vorladungen trotz Reservierung, Vorladungen zum Rekrutierungszentrum, Forderungen nach einer freiwilligen Arbeitserlaubnis – solche Fälle sind an der Tagesordnung. Die Anwältin Kateryna Anishchenko erläuterte die Rechte von Personen mit Reservierung und das Vorgehen bei Konflikten mit den Rekrutierungszentren.
Erhält eine Person nach ihrer Registrierung eine Vorladung, muss sie dennoch beim CCC erscheinen. Andernfalls kann sie wegen Verstoßes gegen die Meldepflichten für Wehrpflichtige zur Fahndung ausgeschrieben werden.
„Sie müssen mit den Buchungsbestätigungsdokumenten zum CCC kommen. Dadurch wird die Vorladung aufgehoben und das Risiko, auf der Fahndungsliste zu landen, beseitigt“, erklärt Anishchenko. Laut ihren Angaben ist eine Buchung über „Diya“ unmöglich, solange kein Fahndungsstatus vorliegt, bis die betroffene Person persönlich beim CCC erscheint. In manchen Fällen wird außerdem eine Geldstrafe wegen Verstoßes gegen die Meldepflicht fällig.
Nach der physischen Anwesenheit wird der Status innerhalb von 72 Stunden in den Systemen „Reserve“ und „Oberig“ aktualisiert, danach kann die Reservierung vorgenommen werden.
Der Anwalt betont: Es gibt keine gesetzliche Vorschrift, die eine militärmedizinische Untersuchung zum Erhalt einer Schutzweste vorschreibt. Selbst „Diya“ erlaubt die Einberufung ohne bestandene militärische Untersuchung. Die Untersuchung kann nach Erhalt des Schutzes vor der Mobilmachung nachgeholt werden.
In der Praxis verlangen einige staatliche Unternehmen, die Reservierungen für ihre Mitarbeiter vornehmen, jedoch, dass diese im Voraus eine VLK-Prüfung ablegen. Dies ist eine interne Initiative und unterliegt keiner allgemeinen Rechtspflicht.
Es gab Fälle, in denen sogar bereits Festgenommene zu den Einsatzkräften des TCC gebracht wurden. Laut Aussage des Anwalts wurden sie jedoch nach Vorlage entsprechender Dokumente wieder freigelassen. Erfolgte die Festnahme nach Erlass des Mobilisierungsbefehls, sind die Chancen auf Freilassung gering. Wurde die Festnahme hingegen vor dem Mobilisierungsbefehl vorgenommen, besteht die Möglichkeit, gegen die Maßnahmen des TCC Berufung einzulegen.
„Es gibt Präzedenzfälle, die das Vorgehen des CCC als rechtswidrig einstufen, wenn eine gültige Reservierung vorlag, diese aber ignoriert wurde“, so Anishchenko abschließend. In einem solchen Fall kann nur noch eine Beschwerde vor Gericht helfen, selbst wenn die betroffene Person bereits in ein Umerziehungslager eingewiesen wurde.

