Skandal in der ukrainischen Justiz: Der Oberste Justizrat hat Pawlo Iwtschenko, Richter am Bezirksgericht Oleksandriwskyj im Gebiet Kirowohrad, endgültig seines Amtes enthoben. Grund dafür ist ein schwerwiegender Disziplinarverstoß, der die Autorität der Justiz untergräbt.
Dies ist ein aufsehenerregender Fall aus dem Jahr 2022. Damals bot Ivchenko einem Freund seine Hilfe an, um die „Problematik“ der Vermeidung einer Ordnungswidrigkeit wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss zu lösen. Die Kosten für diese Dienstleistung beliefen sich auf 60.000 Hrywnja. Der Fall wurde vor dem Kirow-Bezirksgericht in Kropyvnytskyj verhandelt, und dort versuchte der Richter laut Ermittlungen mithilfe von Assistenten einzugreifen.
Laut Anklage erhielt Ivchenko persönlich 1.000 US-Dollar. Er soll davon 600 US-Dollar an eine Hilfsrichterin weitergegeben haben, die das Geld wiederum an die zuständige Hilfsrichterin Natalia Ivanova weiterleiten sollte. Die Hilfsrichterin war sogar bereit, zugunsten des Fahrers falsche Aussagen zu machen.
Die Situation verlief jedoch nicht wie geplant: Nach der Festnahme eines der Angeklagten zog sich Richterin Ivanova von dem Fall zurück. Ein anderer Richter verhängte eine Geldstrafe von 17.000 Hrywnja und entzog dem Angeklagten die Fahrerlaubnis. Das Berufungsgericht stellte das Verfahren jedoch später mangels Tatbestandsmerkmalen einer Ordnungswidrigkeit ein.
Ein aufschlussreicher Moment war Ivchenkos Verhalten während der Durchsuchung. Als die NABU-Ermittler zu seinem Haus kamen, warf der Richter laut den Ermittlungen vier 100-Dollar-Scheine aus dem Fenster im fünften Stock.
Trotz des noch laufenden Strafverfahrens vor dem Obersten Antikorruptionsgericht stufte der Hohe Justizrat Ivchenkos Verhalten als ehrenhaft für das Richteramt ein. Der ehemalige Gerichtspräsident selbst erschien unter Berufung auf die Unschuldsvermutung nicht zur Sitzung des Hohen Justizrats, räumte jedoch in schriftlichen Erklärungen ein, tatsächlich „versucht zu helfen“, obwohl er behauptete, keinen Druck auf die Richterin ausgeübt und darum gebeten zu haben, dass sie nichts von der Angelegenheit erfahre.
Richterin Ivanova erklärte ihrerseits, sie habe erst nach Beginn der Durchsuchungen im Gerichtssaal von der Einmischung erfahren. Sie betonte, sie habe weder mit Ivchenko noch mit seinen Assistenten Kontakt gehabt.
Ivchenko wurde 2020 zum Richter ernannt und war zum Zeitpunkt der Ermittlungen Leiter des Bezirksgerichts Oleksandrivskyj. Der Fall gegen ihn und zwei seiner Assistenten wird derzeit vom Obersten Justiz- und Rechtsdienst der Ukraine geprüft. Im Falle einer Verurteilung droht den Angeklagten nicht nur der Verlust ihrer Ämter, sondern auch eine strafrechtliche Verfolgung.

