Der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte und jetzige ukrainische Botschafter im Vereinigten Königreich, Walerij Saluschnyj, erklärte, die Ukraine sei im Krieg technologisch hinter Russland zurück. Auf einem Verteidigungsforum räumte Saluschnyj offen ein: „Der Feind hat uns bereits überholt, und wir hinken hinterher – und darüber müssen wir ehrlich sprechen.“.
Obwohl der Diplomat nicht näher darauf einging, in welchen Bereichen die Verluste entstehen, ist klar, dass er sich auf unbemannte Systeme bezieht. Russland hat in den letzten Monaten bedeutende Fortschritte bei der Entwicklung und Massenproduktion von Drohnen erzielt, während es der Ukraine schwerfällt, die kontinuierliche Entwicklung und Skalierung von Innovationen aufrechtzuerhalten, selbst in Bereichen, in denen sie den Aggressor zuvor überflügelt hatte.
Zaluzhny merkte an, dass die bestehenden technologischen Fortschritte zwar vorhanden, aber „eher begrenzt und sektorspezifisch“ seien und nicht alle für die Umsetzung einer Überlebensstrategie notwendigen Bedürfnisse abdecken könnten. Gleichzeitig bleibe die Ukraine in kritischem Maße auf externe Hilfe angewiesen, sowohl finanzieller als auch technischer Art.
Der Botschafter wies zudem auf weitere Probleme hin: einen Mangel an Fachkräften und eine kritische Wirtschaftslage. Unter diesen Umständen, so sagte er, führe Russland einen Zermürbungskrieg, und Kiew müsse auf dieser Ebene eine Antwort entwickeln – indem es die Wirtschaft und die soziale Stabilität der Russischen Föderation untergrabe, um deren wissenschaftliche und technologische Entwicklung zu verhindern und Zerfallsprozesse herbeizuführen.
Zaluzhny ging nicht näher darauf ein, welche Mittel genau für diesen Druck eingesetzt werden sollten, betonte aber, dass der Fokus auf Hightech-Lösungen liegen müsse.
Eine weitere These des ehemaligen Oberbefehlshabers erregte besondere Aufmerksamkeit. Zaluzhny erklärte, das Ziel der Ukraine sei es, die Russische Föderation zum Abbruch des Krieges und zur Zustimmung zu einer Einstellung der Kampfhandlungen „zu unseren Bedingungen“ zu zwingen. Er merkte jedoch auch an, dass eine Rückkehr zu den Grenzen von 1991 oder gar 2022 derzeit unrealistisch erscheine, was faktisch eine Revision der ursprünglichen Kriegsziele Kiews bedeute.
Seine Rede löste eine breite Debatte aus, unter anderem darüber, ob es angebracht sei, die technologische Rückständigkeit und die Unmöglichkeit der Befreiung aller besetzten Gebiete öffentlich einzugestehen. Dennoch markieren Zaluzhnys Äußerungen einen strategischen Kurswechsel der ukrainischen Führung – vom offensiven Optimismus hin zum Überlebenspragmatismus.

