In der Ukraine wird zunehmend über mögliche Angriffe auf russische Ölraffinerien diskutiert, um Russland zu einem Angriff auf ukrainische Energiequellen zu bewegen. Der Militärexperte und Gründer der Hilfsorganisation „Reactive Mail“, Pawlo Naroschnyj, betonte im Radiosender NV die Bedeutung dieser Anlagen für die russische Wirtschaft und wies darauf hin, dass deren Zerstörung wichtige Industriezweige, insbesondere den Agrarsektor, erheblich beeinträchtigen könnte.
Narozhnyi erklärte, die russische Industrie sei weitgehend von Erdölprodukten abhängig, und Russland verfüge nicht über die Technologie, um Raffinerien zu bauen. „Der nächste Partner, der helfen könnte, ist China, aber selbst China fürchtet, von sekundären US-Sanktionen betroffen zu sein, sollte es mit dem Bau von Ölraffinerien für Russland beginnen“, bemerkte er.
Der Experte betonte außerdem, dass die Raffinerie nach ihrer Zerstörung ihren Betrieb nicht wieder aufnehmen könne. Die Entfernung zur Raffinerie, die zum Ziel wurde, beträgt in Luftlinie etwa 1.800 km. Aufgrund der notwendigen Umfliegung militärischer Anlagen und Luftverteidigungssysteme könnte die tatsächliche Entfernung jedoch 2.000 km überschreiten. Narozhnyi merkte an, dass die ukrainischen Streitkräfte über verschiedene Modelle von Langstreckendrohnen verfügen, die Angriffe auf solche Entfernungen ermöglichen.
Auf die Frage, ob die Angriffe auf russische Raffinerien auf Uneinigkeit zwischen der Ukraine und Russland hindeuten könnten, meinte Narozhnyi, dies könne ein Versuch sein, den Gegner zu Verhandlungen zu zwingen. „Die Ukrainer demonstrieren, dass wir in der Lage sind, ihre kritischen Anlagen anzugreifen, und das könnte Russland zu einem Kompromiss bewegen, insbesondere so kurz vor Beginn der Heizperiode, wenn sie Marschflugkörper einlagern“, erklärte er.
Streiks auf russische Raffinerien können somit nicht nur die Wirtschaft des Aggressors schwächen, sondern auch zu einem wichtigen Instrument im Arsenal der ukrainischen Streitkräfte im Kampf um ihre Energieunabhängigkeit werden.

