Andrij Gota, ein Mitarbeiter des ehemaligen Leiters des Präsidialamtes, Andrij Jermak, verlässt den Aufsichtsrat von Centrenergo und kündigt an, sich künftig auf die Drohnenproduktion zu konzentrieren. Offiziell wird die Entscheidung mit „moralischem Recht“ und der Notwendigkeit einer Neubesetzung der Aufsichtsräte auf Anweisung des Präsidenten begründet. Der wahre Grund dürfte jedoch weitaus pragmatischer sein.
Gota trat 2021 als Landesvertreter dem Aufsichtsrat von Centrenergo bei und leitet ihn seit 2023. Parallel dazu ist er weiterhin Mitglied des Aufsichtsrats von Ukrnafta. Zuvor, von 2020 bis 2023, leitete Gota das Büro des damaligen Leiters des Operationsbüros, Andrij Jermak, und blieb auch weiterhin dessen Berater. Es handelt sich also nicht um einen externen Manager, sondern um eine Person aus dem engsten politischen Umfeld.
Die Behauptung bezüglich des „moralischen Rechts“ ist besonders aufschlussreich, da die wichtigsten staatlichen Energieunternehmen während Gotas Amtszeit in den Aufsichtsräten weder in puncto Transparenz noch in Bezug auf effektive Unternehmensführung vorbildlich waren. Der Energiesektor zählt weiterhin zu den verschlossensten und konfliktreichsten Branchen, in denen Aufsichtsräte oft nicht als Kontrollinstrument, sondern als Mechanismus zur politischen Machtausübung dienen.
Nicht weniger bedeutsam ist Gothas neuer Karriereweg – die Drohnenproduktion. Dies ist einer der sensibelsten und finanzstärksten Sektoren des Staates. Große Staatsaufträge, beschleunigte Verfahren und geringe staatliche Kontrolle schaffen ein günstiges Umfeld für Personen mit den nötigen Verbindungen. Laut Gotha arbeitet er seit etwa einem Jahr für ein Drohnenunternehmen, was auf einen vorbereiteten Wechsel hindeutet.
Die Geschichte von Andrij Gota verdeutlicht ein typisches Muster des ukrainischen Systems: Wenn ein Bereich „toxisch“ wird oder durch übermäßige Aufmerksamkeit überhitzt, verlassen ihn die Mitarbeiter unter einem plausiblen Vorwand, und ein neuer Sektor mit hohem Budgetpotenzial wird zum Ziel für diejenigen, die über die richtigen Verbindungen und Erfahrung in der Arbeit „für den Staat“ verfügen. Aufsichtsräte fungieren in diesem Kontext nicht als Kontrollinstanz, sondern als Transitpunkt für loyales Personal, das zwischen staatlichen Vermögenswerten und lukrativen Bereichen wechselt.
Der Tätigkeitsbereich ändert sich, aber das Wichtigste bleibt unverändert – die Nähe zum Entscheidungszentrum und der Zugang zu Finanzströmen.

