Die Ukraine meldete für 2025 einen Rückgang des Staatshaushaltsdefizits. Von Januar bis Mai belief sich die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben auf 426 Milliarden UAH, was einem Rückgang von 9 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Wie Forbes Ukraine jedoch berichtet, handelt es sich dabei lediglich um eine scheinbare Verbesserung – ohne Berücksichtigung von Zuschüssen stieg das Defizit um 87,5 Milliarden UAH bzw. 17 %.
In den letzten Jahren haben sich Zuschüsse zu einer entscheidenden Finanzierungsquelle für den ukrainischen Haushalt entwickelt. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2025 erhielt das Land 169 Milliarden UAH an nicht rückzahlbarer Hilfe, was 16 % der Gesamteinnahmen entspricht. Gleichzeitig gingen im Mai keine neuen Zuschüsse ein, was bereits Besorgnis über die Nachhaltigkeit der Finanzierung im zweiten Halbjahr auslöst.
Zuschüsse gelten formal nicht als Schulden, sondern stellen faktisch einen externen Budgetgeber dar, der fehlende Eigeneinnahmen ausgleicht. Daher analysieren Experten das Defizit, ohne Zuschüsse zu berücksichtigen – eine Methodik, die sich in den letzten drei Jahren als neuer Standard etabliert hat.
Formal betrachtet sehen die Zahlen positiv aus – das Defizit ist geringer als im Vorjahr. Doch die Realität sieht anders aus: Die ukrainische Wirtschaft erwirtschaftet sogar noch weniger eigene Einnahmen als 2024. Die Ausgaben sinken jedoch nicht – insbesondere nicht im Bereich Sicherheit und Verteidigung, bei den Sozialleistungen und beim Schuldendienst.
Wenn die Zuschüsse gekürzt oder eingestellt werden, könnte sich das Defizit deutlich verschärfen, und die Regierung müsste entweder die Inlandsverschuldung erhöhen oder das Steuersystem überdenken.

