Koffein gilt seit Langem als einer der Hauptfeinde eines guten Schlafs. Der Konsum von Kaffee, Matcha, Energy-Drinks oder auch Schokolade spät am Abend kann die Schlafqualität deutlich verschlechtern. Ärzte betonen jedoch: Es gibt ein weiteres beliebtes Getränk, das den Schlaf negativ beeinflusst – Alkohol.
Wie Parade unter Berufung auf Schlafexperten berichtet, verbessert Alkohol entgegen der landläufigen Meinung den Schlaf nicht, sondern stört vielmehr dessen Struktur.
Die Neurologin und Schlafmedizinerin Anna Marie Morse erklärt, dass Alkohol den REM-Schlaf unterdrückt, jene Phase, in der man lebhafte Träume erlebt. Diese Phase ist entscheidend für das Gedächtnis, die emotionale Verarbeitung, die Kreativität und die Stimmungsstabilität.
Diese Ergebnisse werden durch wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt. Laut einer 2025 in der Fachzeitschrift „Sleep Medicine Reviews“ veröffentlichten Übersichtsarbeit führt ein höherer Alkoholkonsum zu stärkeren Störungen des REM-Schlafs.
Alkohol kann zwar das Einschlafen beschleunigen, aber auch den Schlaf oberflächlich machen. Laut Dr. Morse stört Alkohol den Übergang in den Tiefschlaf, was zu häufigem Aufwachen in der Nacht führen kann. Er wirkt zudem harntreibend, sodass man öfter aufwacht, um zur Toilette zu gehen.
Zudem erhöht Alkohol das Risiko von Atemproblemen im Schlaf. Die Entspannung der Muskulatur in den oberen Atemwegen kann zu Schnarchen und sogar zu Apnoe, kurzzeitigen Atemaussetzern, führen.
Der klinische Psychologe Michael Gradisar weist auf ein weiteres Problem hin: Die Wirkung von Alkohol als „Schlafmittel“ lässt mit der Zeit nach. Betroffene sind gezwungen, die Dosis zu erhöhen, um die gleiche Wirkung zu erzielen, wodurch eine gefährliche Gewohnheit entsteht.
Darüber hinaus kann selbst Alkoholkonsum am Morgen den Schlaf in der Nacht beeinträchtigen. Der Körper verarbeitet durchschnittlich eine Standardportion Alkohol pro Stunde, doch bei übermäßigem Konsum können die Nachwirkungen oder Entzugserscheinungen bis in den Abend anhalten.
Experten weisen darauf hin, dass sich der Schlaf bei einer Reduzierung oder dem Verzicht auf Alkohol vorübergehend verschlechtern kann, sich seine Qualität aber mit der Zeit deutlich verbessert.
Als Alternative zu einem abendlichen Drink empfehlen Ärzte alkoholfreies Bier oder alkoholfreien Wein. Auch Kräutertees wie Kamille, Zitronenmelisse oder Passionsblume können zur Entspannung beitragen.
Ärzte betonen: Schnelles Einschlafen bedeutet nicht automatisch erholsamen Schlaf. Für die vollständige Regeneration des Körpers ist neben der Schlafdauer auch die Schlafstruktur wichtig.

